Full text: Weltporto-Reform

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Kapitel I. 
Das Inlandsporto als Auslandsporto* 
„ , . . Mein Ideal ist, dass man einen Tarif hätte, gleichviel oh 
für das In- oder Ausland, und man dahin käme, die Sätze des 
Auslandes auf diejenigen des Inlandes zurüchzuführen . . . “ 
So sprach am 7. März 1885 bei der Beratung des Postetats 1 ) 
im deutschen Reichstage kein geringerer als der Staatssekretär 
Heinrich von Stephan, der Leiter des deutschen Reichs-Post 
wesens, der Erfinder der Postkarte und erfolgreiche Begründer 
des Weltpostvereins, dieser wunderbaren völkerrechtlichen Ein 
richtung, die den Erdball umspannt und ihn zu einem einzigen 
Verkehrsgebiet mit einem einheitlichen Porto gemacht hat. Er 
gab damit das Ziel an, das er im Tarifwesen des internationalen 
Postverkehrs anstrebte. Es war nur ein folgerichtiger Ausbau 
des von Rowland Hill schon 1837 mit Bewusstsein ausgesprochenen 
und näher begründeten Gledankens, dass bei der planmässigen 
Briefbeförderung durch die Post die Entfernung keine beachtens 
werte Rolle spiele und daher ein einheitliches niedriges Porto 
für alle Strecken gleich angebracht sei. 
Es ist jetzt an der Zeit, sich jener höchst bemerkenswerten, 
fast schon vor einem Vierteljahrhundert gesprochenen, aber längst 
vergessenen Worte Stephans, der damals als Verkehrsfachmann 
wohl für die erste Autorität in der Welt galt und schon in 
seiner „Geschichte der preussischen Post“ (1859) ein erstaunliches 
x ) Vgl. Stenographische Berichte des Reichstags, 1885, 61. Sitzung, 
Seite 1657.
	        
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