Full text : Konserven und Konservenindustrie in Deutschland

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erwachsen,  die  Beseitigung  der  Freibänke  und  die  Verarbeitung  des
Freibankfleisches  zu  Konserven  und  Corned  beef  unter  Aufsicht  der
Behörden  an,  da  sanitäre  Bedenken  nicht  entgegengesetzt  werden
können.
Über  diesen  Plan  fand  im  preußischen  Landwirtschafts-Ministerium
eine  längere  Beratung  statt,  zu  welcher  Vertreter  des  Fleischergewerbes,
der  Landwirtschaft  und  andere  Sachverständige  berufen  wurden.  Der
Vorschlag  begegnete  allgemein  freundlicher  Aufnahme;  bei  der  Pr u "
fung  der  Verwirklichung  tauchten  aber  große  Schwierigkeiten  auf.
Einig  war  man  darin,  daß  derartige  Büchsenfleischfabriken  nur  m
großen  Gemeinden,  wohl  ausschließlich  in  Provinzialhauptstädten
würden  bestehen  können.  Der  Vorsitzende  der  Konferenz,  Geh.  R at
Schröter,  gab  am  Schlüsse  die  Erklärung  ab,  daß  der  Minister  sicherlich, ­
  soweit  es  ihm  möglich  sei,  die  Verwirklichung  des  Gedankens
begünstigen  werde,  bezweifelte  aber,  daß  zur  Ausführung  staatliche
Mittel  zur  Verfügung  stünden.  Es  wurde  darauf  hingewiesen,  daß
die  Gemeinden,  das  Fleischergewerbe  oder  die  Schlachtvieh-Versicherungen, ­
  die  am  meisten  von  der  Frage  berührt  würden,  die  Mittel
für  die  Errichtung  der  Fabriken  aufbringen  müßten.  Ein  Beschluß
über  die  Angelegenheit  wurde  s.  Zt.  nicht  gefaßt  und  man  hat  von
dieser  Angelegenheit  auch  nichts  wieder  gehört.
Außer  der  Einfuhr  von  Fleisch  in  luftdichten  Gefäßen  verbietet
das  Fleischbeschaugesetz  bei  der  gewerbsmäßigen  Zubereitung  v ° n
Fleisch  die  Verwendung  solcher  Stoffe  oder  Verfahren,  die  der  Wal®
eine  gesundheitsschädliche  Beschaffenheit  zu  verleihen  vermögen.  ü er
Bundesrat  erließ  dann  im  Februar  1902  genaue  Bestimmungen,  dm
die  verbotenen  Substanzen  nannten.  Hierunter  befand  sich  auch  d‘ e
Borsäure,  die  bisher  in  der  Fleichwarenherstellung  allgemein  groß 6
Verwendung  gefunden  hatte,  während  die  übrigen  Stoffe  nur  wenig
angewendet  wurden.  Die  Borsäure  hatte  sich  seit  ihrer  Erfindung
gut  eingeführt,  hatte  die  Fabrikation  und  namentlich  die  Haltbarkeit
der  Fleischwaren  sehr  erleichtert  und  war  auch  bei  der  Herstellung
von  Dosenfleisch  nicht  nur  in  Deutschland,  sondern  auch  in  anderen
Staaten  in  umfangreichem  Maße  verwendet  worden.  Bei  dem  Verbot
der  Borsäureverwendung  erhob  sich  daher  ein  Sturm  der  Entrüstung
in  den  Kreisen  der  deutschen  Fleischwarenhändler  und  Fleisch  warenfabrikanten,
  und  man  behauptete,  daß  eine  Herstellung  von  Dosen
fleisch  ohne  Borsäure  nicht  möglich  sei.  Es  mag  dahingestellt  bleiben,
ob  die  Borsäure  auf  den  Menschen  gesundheitsschädigend  wirkt  oder
nicht.  Die  Meinungen  der  Sachverständigen  gehen  hier  auseinander,
und  es  ist  ja  auch  schwierig  festzustellen,  welche  Mengen  schädlich
            
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