Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Untersuchung  der  Mineralhöden.

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11.  Schädliche  Bestandteile  des  Bodens.  Wenn  ein  Boden  neben  saurem  Humus
(S.  36)  gleichzeitig  mehr  oder  weniger  Eisenoxydul  enthält,  so  ist  dieses  ein  Zeichen
mangelhafter  Durchlüftung,  die  unter  Umständen  ein  Wachstum  sog.  saurer  Pflanzen  (Sauergräser, ­
  Moos  usw.)  zur  Folge  hat.  Alsdann  muß  in  erster  Linie  auf  eine  zweckmäßige  Durchlüftung, ­
  sei  es  durch  Entwässerung  (Drainage)  oder  durch  Aufbesserung  der  physikalischen
Eigenschaften  der  dicht  geschlossenen  Ackerkrume  hingearbeitet  werden.  Auch  ist  die
Anwendung  von  gebranntem  Kalk  oder  von  diesem  und  einem  Kalisalz  oder  von  Mergel
oder  von  Holzasche  angezeigt.
Als  direkt  sehr  schädlich  ist  „Schwefelkies“  bezw.  „Wasserkies“  in  einem  Boden
zu  bezeichnen,  weil  er  bei  der  Zersetzung  die  für  Pflanzen  giftige  freie  Schwefelsäure  und
ferner  ebenso  giftiges  Ferrosulfat  liefert.  Letzteres  setzt  sich  im  Boden  allerdings  bald
mit  kohlensauren  Salzen  um,  indem  sich  z.  B.  schwefelsaures  Calcium  und  Ferrihydroxyd
bildet.  Letzteres  ist  unschädlich, 1 )  das  schwefelsaure  Calcium  aber  leichter  löslich  als
kohlensaures  Calcium,  und  so  kann  für  den  Anfang  das  Ferrosulfat  sogar  eine  günstige,
d.  h.  indirekt  düngende  Wirkung  äußern.  Das  hält  aber  nur  so  lange  an,  als  Vorrat  an
kohlensauren  Erdalkalien  vorhanden  ist.
Auch  andere  leicht  zersetzliche  Sohwefelverbindungen,  wie  Schwefelcalcium, ­
  Zinkblende  usw.,  sind  schädlich  im  Boden.  Schwefelcaloium  gelangt  z.B.  mitunter
in  den  Abfällen  der  Soda-  und  Pottasche-Fabriken  (nach  Leblancs  Verfahren),  ferner  in  den
Abfällen  von  Gasfabriken  als  Gaskalk  zur  Anwendung;  letzterer  enthält  gleichzeitig  schädliche ­
  unterschwefligsaure  Salze,  teerige  Erzeugnisse  und  vor  allem  Bhodanammonium,
welches  letztere  schon  in  sehr  geringen  Mengen  (0,5—1,0  g  für  1  qm  Boden  bezw.
0,0025°/ 0  nach  E.  Haselhoff 2 )  giftig  auf  die  Pflanzen  wirkt.
Zinkblende  (Schwefelzink)  zersetzt  sich  im  Boden  leicht  zu  schwefelsaurem  Zink,
welches  für  sich  in  einer  Menge  von  5—10  mg  für  1  1  Nährlösung  schon  Pflanzen  zum
Absterben  bringt.  Unlösliche  Zinkverbindungen,  z.  B.  kohlensaures  Zink,  wirken  nicht
oder  nur  dann  schädlich,  wenn  sie  infolge  reichlicher  Kohlensäurebildung  und  genügenden
Wassers  in  Lösung  gebracht  werden.  Es  kann  daher  mitunter  zinksulfathaltiges  Wasser
lange  Zeit  zur  Berieselung  von  Wiesen  benutzt  werden,  ohne  daß  eine  schädliche  Wirkung
zutage  tritt,  nämlich  dann,  wenn  der  Boden  reich  an  kohlensauren  Erden  (und  Humus) 3 )
ist,  mit  denen  sich  das  schwefelsaure  Zink  zu  schwefelsauren  Erden  (Kalk,  Magnesia)  und
zu  unlöslichem,  kohlensaurem  Zink  umsetzt.  Dieser  Umsetzungsvorgang  hat  aber  zur
Folge,  daß  die  schwefelsauren  Salze,  auch  gebildetes  sohwefelsaures  Kalium  als  löslich
mit  dem  Rieselwasser  aus  dem  Boden  weggeführt  werden,  so  daß  letzterer  an  Pflanzennährstoffen ­
  mehr  und  mehr  verarmt,  während  sich  das  Zink  in  ihm  anhäuft.  Zu  der
direkt  schädlichen  Wirkung  des  Zinksulfates  gesellt  sich  dann  die  indirekt  schädliche
Wirkung,  welche  die  Böden  nicht  selten  ganz  ertraglos  macht.  Ebenso  wie  Schwefelkies
und  Ferrosulfat,  Zinkblende  und  Zinksulfat  verhält  sich  Schwefelkupfer  und  Kupfersulfat; ­
  nur  scheint  Kupfersulfat  als  solches  nicht  so  giftig  für  Pflanzen  wie  Zinksulfat
zu  sein;  nach  hiesigen  Versuchen  gedeihen  Mais  und  Bohnen  bei  einem  Gehalt  von  10  mg
Kupfersulfat  auf  1  1  Nährlösung  ganz  regelrecht,  die  schädliche  Wirkung  beginnt  erst  bei
15—20  mg  auf  1  1.
Um  derartig  beschädigte  Böden  wieder  aufzubessern,  empfiehlt  sich  in  erster  Linie
unter  Umbrechen  derselben  eine  starke  Kälkung  oder  Mergelung.
Als  äußerst  giftiger  Bestandteil  ist  auch  die  arsenige  Säure  aufzuführen,  welche
mitunter  durch  Abwasser  aus  Gerbereien,  Färbereien  und  Farbefabriken  usw.  in  den  Boden
gelangen  kann.  Nach  Fr.  Nobbe  bringt  schon  1  mg  arsenige  Säure  in  1  1  Nährlösung
meßbare  Wachstumsstörungen  hervor,  während  es  nach  des  Verfassers  Versuchen  im  Boden
1)  Das  Ferrihydroxyd  wird  erst  bei  größeren  Mengen  schädlich,  indem  es  die
Poren  des  Bodens  verschließt,  also  die  Luftdurohlässigkeit  beeinträchtigt  und  dadurch  versauernd ­
  wirkt.
2 )  Zeitschr.  f.  Pflanzenkrankheiten  1904,  14,  1.
3 )  Auch  der  Humus  bildet  mit  dem  Zinksulfat  unlösliches  humussaures  Zink.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.  ö
            
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