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bei einem Neuwert von 30 000 Mk. und einem Alter, von 200 Jahren
gibt die untenstehende Formel E = 11 250,—, d. i. eine jährliche
Abschreibung von 0,1875 vom Hundert. Unter der Voraussetzung,
daß die Annahmen richtig sind, ist der Ingenieur im Recht, der die
Bemessung der Amortisation nach dieser Formel fordert. Danach
wäre die übliche Abschreibung auf Gebäude von 3 o/o, auf Maschinen
10—15o/o usf. nicht gerechtfertigt.
Die kaufmännischen Abschreibungen gehen über die durch die
technische Entwertung begründete Höhe hinaus. Die Bilanz hat
neben der Darstellung des Vermögens auch den Reingewinn der
Unternehmung nachzuweisen. Diese beiden Aufgaben der Vermögens
bilanz beeinflussen in entgegengesetztem Sinne die Bewertung. Wer
die Größe seines Vermögens für den 31. Dezember beispielsweise
darstellen will, hat die Verkaufswerte, die Wertsteigerungen der
Grundstücke, den tatsächlichen zeitigen Wert der Maschinen usw.
zu berücksichtigen, diese Werte zu schätzen und in die Bilanz
einzusetzen. Wer hingegen den wirklichen Verdienst, den Reinertrag
seiner Unternehmung nachweisen will, wird es unterlassen, Gewinne
in Erscheinung treten zu lassen, die nur fiktiv sind, nicht realisiert,
nur buchmäßig durch Berücksichtigung von Wertsteigerungen des
Terrains, des Verkaufswertes der noch auf Lager befindlichen Waren
u. a. entstehen.
Wir sind der Meinung, daß der Nachweis des Reingewinns in
der Vermögensbilanz einer den Betrieb unverändert fortsetzenden
Unternehmung das Hauptziel dieser Bilanz ist, obgleich wir uns
dadurch mit der herrschenden Lehrmeinung in Widerspruch setzen v ).
Man ermittelt das Vermögen und die Schulden für einen bestimmten
Zeitpunkt, um durch Vergleichung des Anfangs- mit dem Schluß
vermögen den Wertzuwachs oder die Wertminderung zu berechnen;
die Vermögensbilanz ist Mittel zum Zweck der Er
folgsberechnung.
Dem Kaufmann kommt es bei der Bemessung der Abschreibungs
quote nicht darauf an, daß dies,e der Abnutzung so ganz entspricht.
Für ihn bedeutet Amortisation Reservebildung, Mehrung des Betriebs
kapitals (siehe weiter unten) oder Zurückhaltung flüssiger Mittel,
wenn es sich um eine Gewinnverteilungsgesellschaft handelt. Hohe
Abschreibungen verbilligen späterhin die Herstellungskosten, wenn
das Vermögensobjekt abgeschrieben ist und trotzdem bei der Pro
duktion mitwirkt. Der Kaufmann denkt wirtschaftlich: er will einen
in sicherer Aussicht stehenden Vermögensverlust — Verlust durch
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mäßige, nach ■■■■ ,— steigt sie mit dem Alter. Die Formel E nimmt das arith
metische Mittel. Vgl. die Tabelle S. 232.
’) Zustimmend Schmalenbach.