Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Futtermittel.

Verfälschung  soll  nach  Crispo  darin  bestehen,  daß  man  dunkelgefärbten  Ölrückständen ­
  dieser  Art  durch  Zusatz  von  Kalk  wieder  eine  schöne  grüne  Farbe  erteilt.
Verschimmelten  bezw.  verdorbenen  Raps-  und  Eübkuchen  sucht  man  unter
Umständen  durch  Zusatz  von  Gewürzsamen  bezw.  deren  Abfällen  wieder  den  würzigen
Geruch  des  echten,  frischen  Raps-  bezw.  Rühsenkuchens  zu  geben.  Mitunter  wird
durch  Pressen  von  Raps-  und  Rizinussamen  ein  Gemisch  von  Raps-Rizinusöl  hergestellt. ­
  Derartige  Preßrückstände  gelten  als  giftig  und  sind  nur  zur  Düngung  geeignet.
Die  mikroskopische  Unterscheidung  der  Brassica-  und  Sinapis-Arten
von  anderen  Samenarten  ist  nicht  schwer,  um  so  schwieriger  aber  ist  die  Unterscheidung ­
  der  Brassica-  und  Sinapis-Arten  unter  sich.  Von  den  6  Schichten  dieser
Samenarten,  nämlich:  1.  Epidermiszellen,  2.  äußerem  Parenchym,  3.  Palissaden-,
Becher-,  Stäbchen-Zellen  oder  Skiereiden,  4.  Farbstoffzellen,  5.  Aleuron-  oder  Proteinzellen, ­
  6.  dem  unter  den  Proteinzellen  liegenden  Innenparenchym  des  Nährgewehes
sind  nur  die  3  ersten  Zellschichten  und  darunter  besonders  die  Epidermisund
  Palissadenschicht  zur  Unterscheidung  geeignet.  Die  vieleckigen,  in  der
Flächenansicht  meist  5-  bis  6-seitigen  Epidermiszellen  gelatinieren  zum  Teil  in
Wasser  und  in  verdünnter  Alkalilauge  bei  den  einzelnen  Brassica-  und  Sinapis-Arten
  in  sehr  verschiedenem  Grade  und  bilden  oft  große  Mengen  Schleim;  in  anderen
Fällen  ist  die  Epidermis  gar  nicht  quellhar.  Die  darunter  liegende  äußere
Parenchymschicht  mit  inhaltleeren  Zellen  fehlt  bei  einigen  Arten  ganz  und
bietet  sonst  wenig  kennzeichnende  Unterschiede.  Dagegen  sind  die  nach  innen
folgenden,  radial  gestreckten,  meist  gelb  oder  braun  gefärbten  Palissadenzellon
für  die  Unterscheidung  um  so  wichtiger.  Sie  besitzen,  wie  C.  Böhmer  (1.  c.  S.  412)
ausführt,  das  Eigentümliche,  daß  im  Querschnitt  die  Verdickungen  je  zweier  Nachbarzellen ­
  zusammen  eine  radial  gestreckte,  im  oberen  Teil  nach  dem  Zelllumen  zu
beiderseits  schräg-dachförmig  absetzende  Palissade  bilden,  die  bei  einzelnen  Samenarten ­
  in  ungleicher  Höhe  absetzt  und  in  verschiedenem  Dickenverhältnis  zur  Weite
des  Lumens  steht.  Der  obere  Teil  der  Palissade  ist  also  hei  den  meisten  Samen
unverdickt  und  fadendünn;  zugleich  folgen,  wie  bei  Brassica  dissecta  und  Brassica
nigra  Koch  zu  ersehen  ist,  bei  ein  und  derselben  Samenart  lange  und  kurze  Palissaden
alternierend  aufeinander.  Da  die  peripherischen  Schichten  kollabiert  darüber  liegen,
so  bekommt  die  Oberfläche  der  verschiedenen  Samenarten  dadurch  einen  welligen,
netzig-grubigen  Verlauf.  Ist  der  obere,  unverdickte  seitliche  Teil  der  Palissaden
lang,  so  löst  sich  beim  Präparieren  der  ganze  obere  Zellverband  als  feines  Fadennetz
  leicht  ab;  sind  bei  anderen  Kruziferenarten  die  unverdickten  Zellwände  kurz,
so  kann  man  in  der  Fläche  ein  Fadennetz  nur  mit  Schwierigkeit  erkennen,  und
reicht  die  seitliche  Verdickung  bis  zum  oberen  Zellrand,  so  ist  ein  Fadennetz  überhaupt ­
  nicht  vorhanden.
C.  Böhmer  empfiehlt  daher  die  Ölkuchenmehle  dieser  Art  in  Wasser  aufzuweichen, ­
  mit  verdünnter  Alkalilauge  aufzukochen,  das  zarte  leichte  Keimparenchym
wiederholt  mit  Wasser  abzuschlämmen,  die  abgeschlämmten  Schalen  für  sich  auf
einer  Glasplatte  mit  einer  Unterlage  von  weißem  Papier  auszubreiten  und  zunächst
mittels  einer  Lupe  zu  untersuchen,  ob  sie  gequollen  oder  stark  verschleimt  sind,
ob  sie  eine  erkennbare  oder  gar  sehr  deutliche  Maschenzeichnung  aufweisen  und
welche  Farbe  sie  besitzen.  Bei  denjenigen  Kruziferensamen,  welche,  wie  z.  B.  dem
Raps,  keine  quellbare  Epidermis  besitzen,  gelingt  das  Abschlämmen  leichter  als  bei
den  mit  quellbarer  Epidermis  versehenen  Kruziferensamen.
C.  Böhmer  gibt  dann,  anlehnend  an  die  Gruppeneinteilung  von  O.Burchard, 1 )
folgende  Gruppenübersicht  zur  Unterscheidung  der  einzelnen  Kruziferensamen:

')  Journal  f.  Landwirtschaft  1896,  44,  340.
            
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