Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Speisefette  und  -öle.

Während  an  der  Tatsache,  daß  Beimischungen  von  fremden  Fetten  zum  Butterfett ­
  als  Verfälschungen  anzusehen  sind,  von  keiner  Seite  gezweifelt  wird,  bietet
die  Frage,  wann  ein  Zusatz  von  fremden  Fetten  zur  Butter  als  erwiesen
anzusehen  ist,  unter  Umständen  große  Schwierigkeiten.
Diese  Schwierigkeiten  sind  nicht  so  sehr  dadurch  bedingt,  daß  den  Untersuchungs-Verfahren
  selbst  Mängel  bezüglich  der  zu  erreichenden  Genauigkeit  anhaften,  sondern  es
liegt  das  zeitweise  vollständige  Versagen  eines  Teiles  dieser  Verfahren  an  den  großen
Schwankungen  in  der  Zusammensetzung  der  Butter  selbst.  Infolge  im  allgemeinen
abnormer,  aber  auch  zeitweise  unter  bestimmten  Verhältnissen  mit  einer  gewissen  Eegelmäßigkeit
  auftretender  Umstände  gleicht  das  reine  Kuhbutterfett  in  seiner  Zusammensetzung
einem  Gemische  von  normalem  Kuhbutterfett  mit  Kindstalg.
Man  hat  hie  und  da  angenommen,  in  derartigen  Fällen  durch  die  gleichzeitige  Bestimmung ­
  mehrerer  analytischen  Konstanten  (spezifisches  Gewicht,  Eefraktometerzahl,
Eeiohert-Meißlsche  Zahl,  Verseifungszahl,  Hehnersohe  Zahl,  Jodzahl,  Molekulargewicht ­
  der  nichtfiüchtigen  Fettsäuren  usw.)  ein  zuverlässigeres  Urteil  über  die  Eeinheit
eines  Butterfettes  erhalten  zu  können,  als  wenn  man  nur  die  Eeiohert-Meißlsche  Zahl
und  die  Verseifungszahl  bestimmt.  Diese  Ansicht  ist  im  allgemeinen  nicht  zutreffend.
Die  nach  den  vorgenannten  Verfahren  erhaltenen  Werte  sind  durchweg  von  denselben  Bestandteilen ­
  abhängig,  nämlich  von  dem  mehr  oder  minder  hohen  Gehalte  des  Butterfettes  an
Glyzeriden  der  niederen  Fettsäuren  einerseits  und  den  im  umgekehrten  Verhältnisse  dazu
stehenden  mehr  Oder  minder  hohen  Gehalte  an  Glyzeriden  der  höheren  Fettsäuren  andererseits.
Es  besagen  uns  daher  —  wenn  wir  von  einer  Verfälschung  mit  Kokosfett  absehen  —
auffallend  niedrige  Werte  für  das  spezifische  Gewicht,  die  Eeichert-MeißIsche  Zahl
und  die  Verseifungszahl  hinsichtlich  der  Eeinheit  des  betreffenden  Butterfettes  nach  unseren
heutigen  Erfahrungen  nichts  mehr  und  nichts  weniger  als  auffallend  hohe  Werte  für  die
Eefraktometerzahl.  die  Hehnersohe  Zahl,  die  Jodzahl  und  das  Molekulargewicht  der  nichtflüchtigen
  Fettsäuren.
Sehr  gut  werden  diese  Beziehungen  veranschaulicht  durch  die  umfangreichen  Untersuchungen ­
  von  Th.  E.  Thorpe, 1 )  der  367  zuverlässig  reine,  unter  den  verschiedensten  Verhältnissen ­
  in  England  gewonnene  Butterfettproben  untersuchte.  Thorpe  hat  aus  den
gefundenen  Einzelwerten  in  der  Weise  Mittelzahlen  berechnet,  daß  er  bei  den  Butterfettproben ­
  mit  den  Eeichert-Meißlschen  Zahlen  22,0—22,9,  23,0—23,9  ....  je  die  Mittelwerte ­
  für  die  übrigen  Konstanten  berechnete  und  diese  nach  steigenden  Eeichert-Meißlschen
  Zahlen  22,5,  23,5  ....  ordnete.  Auf  diese  Weise  wurden  folgende  Mittelwerte ­
  erhalten:

Eeichert-Wollny-

  Zahl

Zahl
der
Proben

Spez.
Gewicht
,  .  37,8°
be w

Verseifungs ­
 ­


Verseifungs ­
 ­


Eefraktometerzahl ­

bei  45°

Lösliche
Fettsäuren
(berechnet
als  Buttersäure) ­

°/o

Unlösliche ­

Fett>
säuren
%

Mittleres
Molekulargewicht ­
  der
unlöslichen
Fettsäuren

22,5

7

0,9101

256,4

219,6

42,0

4,3

90,1

266,9

23,5

17

0,9104

263,4

221,4

41,5

4,6

89,7

265,5

24,5

15

0,9108

251,3

223,2

41,5

4,7

89,4

265,0

25,5

27

0,9110

251,1

223,4

41,3

4,8

89,3

264,2

26,5

37

0,9113

248,9

225,4

41,0

4,9

88,9

261,9

27,5

51

0.9114

247,4

226,8

40,6

5,2

88,7

261,7

28,5

78

0,9118

245,7

228.3

40,1

6,4

88,4

260,9

29,5

66

0,9120

244,0

229,9

40,1

6,6

88,3

259,6

30,5

41

0,9123

242,4

231,4

39,9

-  5,8

87,9

260,1

31,3

18

0,9125

241,5

232,3

39,7

5,7

87,9

258,0

32,6

10

0,9130

241,2

232,6

39,4

6,0

87,7

257.8

!)  Journ.  ehern.  Soo.  London  1904,  85,  248—259;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.
Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  8,  581.  Eingehend  hat  über  diese  Arbeit  M.  Siegfeld
            
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