Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

782

Bier  und  seine  Rohstoffe.

2.  Daß  das  Bier  für  alle  Bestimmungen  von  Kohlensäure  befreit
werden  muß.
Das  geschieht  in  der  Weise,  daß  man  das  Bier,  wenn  es  die  Laboratoriumsoder ­
  Beohachtungstemperatur  angenommen  hat,  entweder  in  einem  halbgefüllten
Kolben  einige  Zeit  schüttelt  oder  aus  einem  großen  Becherglase  in  ein  anderes
gießt  und  dann  3-mal  unter  Bedecken  des  Trichters  filtriert.
1.  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes.  Dieselbe  geschieht  entweder
mittels  einer  genauen  Westphalsehen  Wage  oder  mittels  des  Pyknometers  bei  15°
(vergl.  S.  449)  und  hat  vorwiegend  den  Zweck,  die  in  Volumprozenten  gefundenen
Werte  auf  Gewichtsprozente  umrechnen  zu  können.  Mitunter  dient  das  spezifische
Gewicht  auch  zur  Bestimmung  des  scheinbaren  Extraktgehaltes  nach  der  Tabelle
von  K.  Windisch.
2.  Bestimmung  des  Alkohols  und  Extrakts.  Der  Extrakt  kann  zwar  durch
Eindampfen  von  10—20  ccm  Bier  und  Trocknen  bei  105°  (oder  besser  im  Wasserbade ­
  und  Wasserstoffstrom)  bis  zur  Gewichtsbeständigkeit  direkt  bestimmt  werden,
indes  ist  diese  Art  der  Bestimmung  bei  der  leichten  Zersetzlichkeit  der  Extraktstoffe
nicht  genau.  Es  empfiehlt  sich  vielmehr,  den  Extraktgehalt  indirekt  zu  bestimmen
und  die  Bestimmung  mit  der  des  Alkohols  zu  verbinden.
75  ccm  des  entkohlensäuerten  Bieres  werden  genau  gewogen,  mit  noch  10  bis
15  ccm  Wasser  versetzt  und  unter  Vorlage  eines  Pyknometers  von  etwa  50  ccm
Inhalt  destilliert,  bis  die  Flüssigkeit  im  Pyknometer  die  Skala  oder  die  Marke  erreicht ­
  hat.  Der  Rückstand  des  Destillates,  der  Extrakt,  wird  genau  auf  das  ursprüngliche ­
  Gewicht  aufgefüllt,  durchgemischt  und  davon  das  spezifische  Gewicht
bestimmt.  Aus  der  Extrakttahelle  von  Schultze-Ostermann  No.  XV  oder  der
von  Balling  No.  XIII  (im  Anhänge)  wird  hierzu  die  Extraktmenge  in  Gewichtsprozenten ­
  gefunden.
Das  Destillat  im  Pyknometer  wird  genau  hei  15°  auf  die  Marke  eingestellt
oder  der  Stand  der  Flüssigkeit  auf  der  Skala  abgelesen  und  dann  gewogen,  wodurch
man  das  spezifische  Gewicht  des  Destillates  erhält.  Die  diesem  entsprechende
Alkoholmenge  findet  man  nach  der  Hehnersohen  Alkoholtahelle  No.  XVII  (am
Schluß);  die  gefundene  Zahl  mit  dem  Gewichte  des  Destillates  multipliziert  und
durch  das  Gewicht  des  destillierten  Bieres  dividiert,  ergibt  die  Gewichtsprozente
Alkohol:

Gewicht  des  alkoholischen  Destillates  x  Alkohol- 0 /,,  der  Tabelle
Gewicht  des  entkohlensäuerten  Bieres

Hierzu  ist  noch  zu  bemerken:
1.  Eine  Neutralisation  des  Bieres  zur  Bindung  der  Säure  ist  nicht  nötig.
2.  Wenn  sich  in  dem  Destillationsrtickstand  flockige  Abscheidungen  (von  Eiweiß)
gebildet  haben,  so  wird  die  auf  das  ursprüngliche  Gewicht  aufgefüllte  Bxtraktlösung  vor
der  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes  durch  ein  trocknes  Filter  filtriert.  Ein  nennenswerter ­
  Fehler  entsteht  hierdurch  nicht.
3.  Der  Bierextrakt  darf  sich  mit  Jodjodkaliumlösung  (l  g  Jod  und  4  g  Jodkalium
für  1  1)  weder  blau  (von  Stärke)  noch  rötlich-blau  (von  Erythrodextrin)  färben.
Bei  dunklen  Bieren  werden  6  ccm  der  Extraktlösung  mit  26  ccm  Alkohol  vermischt
und  stark  geschüttelt;  der  Alkohol  wird  von  dem  Gerinnsel  abgegossen,  darauf  im  Wasserbade
verdunstet,  der  Rückstand  in  5  ccm  destilliertem  Wasser  gelöst  und  diese  Lösung  mit  Jodjodkaliumlösung ­
  geprüft.
4.  Den  Alkoholgehalt  kann  man  für  viele  Zwecke  mit  genügender  Genauigkeit  indirekt,
nämlich  durch  Division  des  spezifischen  Gewichtes  des  ursprünglichen  Bieres  durch  das  des
entgeisteten  Bieres,  berechnen  (yergl.  S.  676).  Der  Quotient  beider  Zahlen  gibt  nämlich
das  spezifische  Gewicht  des  im  Biere  enthaltenen  Weingeistes.  Wenn  man  daher  zu  der
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.