Full text : Das Geldwesen Frankreichs zur Zeit der ersten Revolution bis zum Ende der Papiergeldwährung

§1.  DAS  MÜNZSTSTEM  AUF  GRUND  DEK  MÜNZ  PATENTE  VON  1726.  13

und  Exportverbote,')  wie  man  damals  glauben  mochte,  sondern
weil  das  Silbergeld  im  Elsaß  wiederum  valutarisch  wurde.  Seit
Ende  1786  wurden  nämlich  erheblich  weniger  neue  Louis
geprägt,  und  dann  war  diese  Provinz  mit  Frankreich  verwaltungspolitisch ­
  eng  verknüpft,  was  für  die  apozentrischen  Zahlungen
ungemein  wichtig  war.
Im  übrigen  Frankreich  fand  dieser  kurze  Währungswechsel
nicht  statt,  denn  der  Zufluß  von  Gold  war  dort  nicht  stark
genug.  Wäre  er  aber  groß  genug  gewesen,  so  hätte  Frankreich
eine  gewaltige  Einbuße  an  ecus  erlitten  —  das  war  die  Gefahr,
der  es  sich  ausgesetzt  hatte.
Die  ümprägung,  die  Calonne  veranlaßte,  wurde  von  den
metallistisch  denkenden  Zeitgenossen *  2 )  völlig  mißverstanden  und
lange  abfällig  beurteilt.  Wir  erkennen  sie  als  zweckmäßig  an.
Jeder,  auch  nur  provinzielle  Währungswechsel  hätte  aber  vermieden ­
  werden  können  und  zwar  dadurch,  daß  man  den  Louis,
in  nunmehr  richtiger  Anwendung  der  Grundsätze  von  1726,
proklamatorisch  die  Geltung  von  25  statt  24  livres  beigelegt
und  so  eine  Umschmelzung  umgangen  hätte. 3 )  Der  Staat  hätte
dabei  allerdings  den  Münzgewinn  von  etwa  7  Millionen  livres
nicht  gemacht. 4 )
Aus  dieser  Umprägung  Calonnes  ergibt  sich  für  uns  unmittelbar, ­
  daß  Goldgeld  akzessorisch  und  die  Ecusstücke  von  3
und  6  livres  valutarisch  waren.  Die  kleineren  Silbermünzen
konnte  der  Staat  damals  schon  deshalb  nicht  valutarisch  verwenden, ­
  weil  sie  Scheidegeld  waren.
Tabellarisch  erhalten  wir  bei  funktioneller  Unterscheidung
der  Geldarten  folgendes  Resultat:

')  Extrait  des  registres  du  greffe  de  la  monnaie  de  Strasbourg  vom
23.  Mai  1786,  arrßt  de  la  cour  des  monnaies  vom  13.  Nov.  1786.
a )  Z.  B.  Brodhagen  in  der  Handlungsbibliothek  von  Büsch  und
Ebeling,  Hamburg  1789.
■ 1 )  So  Österreich.
4 )  Calonne,  Requete  au  Roy,  S.  40.
            
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