Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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nahm  1806  ein  Patent  auf  Stiefelschäfte  ohne  NahtZ.  Der  Franzose
Brunel  erfand  1814  die  Nagelschuhe 2 ),  Nathanael  Leonard  1829  die
Sohlennagelmaschine s ),  und  in  den  30  er  Jahren  erfolgte  die  Einführung
dieser  Errungenschaften  in  Deutschlands.  Die  Einführung  der  Nähmaschine ­
  in  den  50  er  Jahren  führte  zur  Schaftarbeit,  dann  sogar  zu
einer  eigenen  Industrie,  der  Schaftstepperei,  und  schließlich  zum  Glaceschaft
  aus  Kidleder;  in  den  70  er  Jahren  erfolgte  die  Einführung  einer
weiteren  Reihe  von  Maschinen,  Stanzmaschinen,  Walzmaschinen,  Öseneinfetzmaschinen, ­
  Knopflochnähmaschinen,  Riemchenumbiegmaschinen,  Abschrägmaschinen, ­
  Perforiermaschinen,  die  ganze  Reihe  der  Maschinen
für  den  Bodenbau,  wie  Absatznagelmaschine,  Aufzwickmaschinen  u.  a.;
die  Maschinenschusterei,  welche  anfänglich  meist  zur  Befriedigung  des
Armeebedarfs  eingeführt  war  °),  arbeitete  schließlich  für  das  große
Publikum;  denn  beim  Übergang  zur  Fabrikinduftrie  6 )  hatten  es  die
Schuhfabrikanten  verstanden,  den  Bedürfnissen  des  Publikums  entgegenzukommen ­
  und  den  Geschmack  desselben  zu  verfeinern;  der  Verbrauch  an
Schuhen  und  Stiefeln  stieg,  das  schwere  Schuhwerk  ward  durch  feines
ersetzt,  und  der  Lederbedarf  nahm  gewaltige  Formen  an.
Seit  den  40  er  Jahren  erfolgten  die  Umwälzungen  auf  dem  Gebiete
der  Verkehrsmittel,  und  damit  im  Zusammenhang  geht  die  Versorgung
des  ganzen  lokomobilen  Publikums  mit  ledernen  Reiseutensilien,  von
dem  großen  Lederreisekoffer  bis  zu  den  kleinen  Portefeuilleartikeln  und
Ledergalanteriewaren;  der  Übergang  zum  Industrie  st  aate  brachte  den
ganzen  Bedarf  der  Industrie  als  solcher  an  Leder,  wie  lederne  Treibriemen,
Ledertaschen,  lederne  Walzenüberzüge  usw.  mit  sich,  und  dieser  ganze,
ins  gigantische  gestiegene  Lederbedars,  den  auch  die  Kriege  dieses  Jahrhunderts ­
  noch  vermehrt  hatten  7 ),  wurde  von  dem  feinsten  Lackleder  bis
zu  den  schwersten  Ledersorten  hauptsächlich  von  der  durch  die  Einführung
ausländischer  Gerbstoffe  und  der  Gerbstoffextrakte  abermals  modernisierten
vegetabilischen  Gerbung  gedeckt,  während  die  Glacegerbung  und  einige
kombinierte  Spezialgerbuugen,  Feinleder,  Handschuhleder,  Chevreaux,
Kidleder  und  Feinlederimitationen  lieferten.
So  hatte  sich  also  im  Laufe  von  100  Jahren  das  Bild  total
verschoben.  Aus  der  Linie  der  damals  noch  ziemlich  gleichwertig  nebeneinander ­
  stehenden  Gerbemethoden  war  die  Sämischgerberei  fast  ausgeschieden, ­
  den  gestiegenen  feinen  Lederbedarf  deckte  die  Feinlederindustrie,
0  Keetz  1829,  Bd.  I,  S.  49.
2 )  Poppe,  G.  1837,  S.  184;  vgl.  auch  Wehr  1909,  S.  8.
0  Behr  1909,  S.  8.  4 )  Gleißenberger  1895,  S.  196  ff.
5 )  B.  d.  Erf.  1874,  S.  421.  «)  Schmoller  1870.
0  Vgl.  Gülich  1830,  Bd.  IV,  S.  482;  Gerberzeitung  1871,  Nr.  45;  Gerbercourier ­
  1901,  Nr  35.
            
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