Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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noch  weniger  bekannt  sei;  nach  Beckmann  *)  ist  die  Methode  in  Deutschland
nicht  unbekannt,  aber  mau  ist  von  dem  besten  Verfahren  meist  ganz  abgewichen ­
  ;  der  eben  erwähnte  Pfeiffer  sagt:  „Ich  kenne  keinen  Ort  in  Deutschland, ­
  wo  das  Sattler-  und  Riemerleder  auf  oben  beschriebene  Art  zubereitet
wird,  ja,  viele  Gerber,  welche  sich  rühmen,  auf  ungarische  Art  zu  gerben,
haben  davon  nicht  einmal  einen  Begriff.  Es  sind  Kalch-  und  keine  Alaungerber, ­
  sie  schmieren  auch  wohl  etwas  Unschlitt  in  freier  Luft  auf  das  Leder,
allein  wie  soll  dieses  das  Gewebe  der  Haut  durchdringen  können?"  "),  und
schließlich  muß  unter  dem  Begriff  des  ungarischen  Leders  etwas  ganz
anderes  verstanden  worden  sein;  denn  unter  den  Luxusledern  am  Ende
des  18.  Jahrhunderts  wird  auch  ungarisches  Zugleder  erwähnt 3 ).
Während  so  diese  Methode  in  Deutschland  schon  vor  100  Jahren
völlig  abgewirtschaftet  hatte,  und  es  den  Kameralisten  nicht  gelang,
Verständnis  und  Interesse  dafür  zu  wecken,  weil  sie  in  einem  ihr  artfremden ­
  Wirtschaftsgebiete  hatte  degenerieren  müssen,  hatten  die  Reglementierungen ­
  Colberts  und  die  sich  daran  schließende  Periode  der  Industriebegünstigung
  einen  ganz  anderen  Erfolg;  es  muß  der  große  Einfluß
des  Staates  hinzutreten,  welcher  die  wirtschaftliche  Bereitschaft  zum
Empfang  einer  Methode  schafft,  damit  pathologische  Erscheinungen  an
dieser  vermieden  werden.  1578  und  1666  war  den  Riemern  in  Paris
das  Recht  verbrieft  worden,  ungarisch  Leder  für  ihren  eigenen  Gebrauch
zu  verfertigen  Z,  aber  der  durch  die  fortwährenden  Kriege  gestiegene
Bedarf  an  Leder  veranlaßte  1705  die  Schaffung  eines  geschworenen
Amtes  und  einer  Gilde  von  Staatswegen,  welche  allein  die  Freiheit  hatte,
diese  Art  der  Lederbereitung  zu  treiben.  Da  aber  die  Quantität  des
produzierten  Leders  trotz  dieser  Maßnahme  nicht  stieg,  während  der
Preis  infolge  dieses  von  Staatswegen  geschaffenen  Monopols  in  die
Höhe  ging  und  die  Qualität  sich  verschlechterte,  wurde  wenige  Jahre
nachher  diese  Zunft  mit  den  Besitzern  der  Manufaktur  zu  Saint  Denis
gegen  Erlegung  von  50000  Thalern  verbunden.  Diese  Manufaktur
war  1698  zu  St.  Cloud  bei  Paris  angelegt  worden 3 ),  1702  war  sie
nach  Roquette,  und  von  hier  mit  Rücksicht  auf  die  nahen  Gärtner  nach
Saint  Denis  verlegt  worden.  1705  ward  ihr  das  Privilegium  der
Herstellung  ungarischen  Leders  genommen,  und  der  oben  erwähnten
Zunft  allein  übertragen  worden.  Aber  bereits  1716  hatte  man  die
Herstellung  des  ungarischen  Leders  freigegeben.  Durch  solche  Maßnahmen ­
  war  es  immerhin  gelungen,  die  Aufmerksamkeit  der  inländischen

9  Pfeiffer  1780,  Bd.  I,  S.  229.  -)  Wiedfeldt  1898,  S.  66.
-)  Schauplatz  1767,  Bd.  VI,  S.  88-89.  4 )  Schauplatz  1767,  Bd.  VI,  S.  56.
6 )  Französische  Annalen  für  die  allgemeine  Naturgeschichte,  D.  Pfaff  und
Friedländer  1802,  Heft  3,  S.  183.
            
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