Full text: Die Entwicklung der Weißgerberei

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Gerber auf dieses Leder zu lenken und dieser Lederart auch im Auslande 
einen guten Ruf zu sichern. Neues akutes Interesse erregte die Methode 
in Frankreich dann wieder um die Wende des 18. Jahrhunderts, wo 
die Republik, von ergiebigen Zufuhren abgeschnitten, in ihren vielen 
Kriegen genügenden, schnell hergestellten, guten Leders bedurfte, und 
wo Seguin, wie erwähnt, auch diese Methode zu verbessern suchte Z. 
Immerhin hatte sich das ungarische Leder in Frankreich auf Grund 
seiner historischen Vergangenheit einen so festen Platz erobert, daß 
während des ganzen 19. Jahrhunderts die Artilleriegeschirre ans diesem 
Material gefertigt wurden. Das ist wohl ein durchschlagender Beweis 
für die außerordentliche Güte, Haltbarkeit und Festigkeit dieser Leder 
sorte, wozu noch die kurze Herstellungszeit und ein niedriger Herstellungs 
preis gegenüber dem lohgaren Leder als vorteilhaft kommt ^). Damit 
wird es verständlich, daß das ungarische Leder besonders dort, wo es 
Zn Hause ist, stets einen festen Platz bewahrt hat, daß es hier sich 
sogar noch spezialisieren konnte, und so hat z. B. in den 70er Jahren des 
vorigen Jahrhunderts ein Riemermeister in Teschen folgende 10 Handels 
sorten von ungarischem Leder, von Riemen-und Zeugleder aufgestellt^): 
1. Weißes Nähriemenleder (Rindshaut ohne Talg). 
2. Dreschriemenzeugleder. 
3. Weißes Peitschenleder (Rindshaut ohne Talg). 
4. Rotes Nähriemenleder. 
5. Braunes Leder zu Fuhrmannsarbeit und Wirtschaftsgeschirren. 
6. Schwarzes Leder zu Fuhrmanns- und Wirtschaftsgeschirren. 
7. Geschorenes Leder als das dauerhafteste und binnen 24 Stunden 
gegerbt. 
8. Gedrehtes Leder, in Polen und Rußland Rzemien Kvonzonil 
genannt. 
9. Halblohgares Alaunleder. 
10. Grünes Zirmleder zur Ausnaht und Flechtung und zu Ver 
zierungen. 
Zu bedauern ist nur, daß das ungarische Leder nicht die Dauerhaftig 
keit von lohgarem besitzt Z, aber selbst im modernen Konkurrenzkampf 
hat die außerordentliche Haltbarkeit dieser interessanten, altertümlichen 
Ledersorte einen festen Platz selbst neben dem zu hohem Ansehen gelangten 
Chromleder gesichert. Auch jetzt noch werden in verschiedenen Ländern 
Militärgeschirre daraus hergestellt^), durch geeignete Behandlung wird 
es den lohgaren Ledern äußerlich täuschend ähnlich gestaltet, seine 
Fabrikationsweise hat sich unserer Zeit angepaßt, indem das Ein- 
0 Almanach 1804, S. 509. 2 ) Schmidt und Wagner 1905, S. 1032 ff. 
b) Gintl 1873, S. 71. 4 ) Schmidt und Wagner 1905, S. 1032 f. 
°) Schuh und Leder 1904, Nr. 4, S. 42—43.
	        
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