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welche zunächst von anderen Menschen unter anderen Bedingungen und
für andere Bedürfnisse, als es bei der deutschen Weißgerberei der Fall
war, ausgeübt wurde, lange Zeit ziemlich selbständig und unabhängig
von der deutschen Weißgerberei entwickelt. Um die Wende des 18. Jahrhunderts
noch ist die französische Weißgerberei nicht im deutschen Handwerk
aufgegangen, sondern nur wenige deutsche Weißgerber beschäftigten
sich mit ihr, und auch in diesen Fällen ist die französische Weißgerberei
bei den deutschen Weißgerbern eine Nebensache *). In Berlin z. B. hatten
die französischen Weißgerber unter dem Druck des Staates in die deutsche
Zunft aufgenommen werden müssen, aber auch diese äußerliche Vereinigung
zog keine weitere innere Verschmelzung nach sich. Das Gewerbe
war ein fremdes, blieb ein fremdes und hat sich, wie wir noch
sehen werden, vollkommen selbständig und ganz anders entwickelt.
Das letzte Gewerbe endlich, welches eine ökonomisch außerordentlich
wichtige Beziehung zur Weißgerberei unterhält, ist die uns längst bekannte
Rotgerberei. Wir haben gesehen, daß bei manchen Schustern,
lange Zeit sogar bei manchen Weißgerbern des Mittelalters, die Rotgerberei
ausgeübt wurdet; im großen und ganzen aber ging, wie gezeigt
wurde, die Bewegung dahin, die Weißgerberei von der Rotgerberei klar
und reinlich abzuspalten, so daß die gleichzeitige Ausübung beider Gewerbe
am ausgehenden Mittelalter vom Standpunkte der zünftlerischen
Gewerbeordnung aus als ein gewerbliches Unrecht, als eine illegitime
Handlung galt"). Erst als das 19. Jahrhundert die in einem jahrhundertelangen
Entwicklungsgang der Gewerbeverfassung mühselig errichteten
Schranken niederlegte, da lebte die alte Beziehung zur Rotgerberei
wieder auf, und die beiden Gewerbe vereinigten sich in der
Hand des Weißgerbers in gesetzlicher Weise, um das abgelebte Weißgerberhandwerk
in eine neue lebensfähigere Form zu bringen Z.
Wir haben nunmehr den ursprünglich wenig differenzierten Zustand
der Lederarbeiter sich zu einer Reihe von einzelnen Bestandteilen,
Elementen und Gewerben entfalten sehen, wir haben gesehen, wie die
großen Kategorieen der Schuster, der Lohgerber, der Sattler und Riemer,
der Beutler, Nestler, Säckler, Handschuhmacher sich auseinander gelöst
haben, wobei ein engerer Kern erhalten geblieben ist, welcher die Pergamenter,
die Leimsieder, die Sämischgerber und die eigentlichen Weißgerber
umfaßt. Während aber die Pergamenter sich mehr und mehr
emanzipierten, um im 18./19. Jahrhundert doch wieder in der Weißgerberei
unterzugehen, blieben die drei Gewerbe der gewöhnlichen Weißgerberei,
der Sämischgerberei und der Leimsiederei im großen und
i) Vgl. Jacobson 1781, Bd. I, S. 789. 2 3 ) Vgl. S. 226 ff., 232 ff.
3 ) Vgl. S. 234 f. u. S. 250 ff. 4 ) Vgl. S. 285.