Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

293

lische  Gerbereien,  wo  in  den  Gruben  20,  30  und  mehr  tausend  Pfund
Sterling  angelegt  finb 1 );  wie  wenig  die  deutschen  Manufakturen  aber
das  fremde  Vorbild  zunächst  erreichten,  dafür  seien  nur  zwei  Beispiele
angeführt;  in  der  Sämischledermanufaktur  zu  Corbeil  brachte  man
zeilenweise  wöchentlich  600  Büffelfelle  in  die  Mühlen^),  und  die
Manufaktur  zu  St.  Germain  besaß  200  Gruben 3 )  (vgl.  S.  290!).
Das  deutsche  Handwerk  empfand  sofort  das  Aufkommen  der  Manufakturen ­
  außerordentlich  unangenehm  und  unterließ  nichts,  um  den  neuen
Fortschritt  zu  hindern.  Wir  haben  aus  der  ersten  Hälfte  des  18.  Jahrhunderts ­
  oben  bereits  ein  Beispiel  angeführt.  1764  erließ  das  Weißgerberhandwerk ­
  zu  Arau  ein  Rundschreiben  an  die  süddeutschen  Weißgerberhandwerke, ­
  in  welchem  es  heißt:  „Wie  schädlich  und  zu  großem
Nachteil  die  Fabriquen  denen  Meisteren,  die  Ihre  Profession  ehrlich
nach  Handwercks-Gebrauch  und  großen  Kosten  erlehrut,  darauf  gewandert, ­
  auch  allen  Ehrlich  und  Redlichen  Gesellen  Ihr  Geschenck  samt
allem  Handwercksbräuchlichem  Vorschub  getreulich  zukommen  lassen,  sehe,
zeiget  die  diesmahlen  in  Collmar  so  stark  angewachsene  sowohl  Roth  als
Weißgerber  Fabrique  leyder!  zur  Genüge  an.  Nicht  nur  wird  von
Ihnen  die  rohe  Waar  stark  zusammengekaufft  und  vertheurt,  sondern
auch  der  Verkaufs  geschwächt  und  verringert,  daß  es  einem  Meister,
dessen  Fond  und  Praetic  nicht  so  stark,  nicht  möglich  ist,  nachzukommen,
folglich  neben  solchen  nicht  subsistiren  kann.
Den  größten  Schaden  aber  und  Verdrießlichkeit  von  solchen
Fabriquen  empfinden  nicht  nur  die  nächst  angränzende  sondern  auch
die  entfernteste  Meistere  im  ganzen  Römischen  Reich,  und  zwar  in
Haltung  und  Förderung  der  Gesellen;  Jndenie  sie  deren  Redlichen
M^n  Arbeit  zum  Teil  nicht  mehr  nachgehen,  oder  wann  Ihnen  von
den  Meisteren  nicht  gethan  und  verwilligt,  ja  alle  Freyheit  wird,  was
sie  begehren  /:  welches  ehedem  nicht  gebräuchlich  gewesen  :/  so  werfen
sie  den  Meisteren  den  Sack  vor  die  Thüren  und  lauffen  alsbald  aus
der  Arbeit  und  den  Fabriquen  zu;  nachdem  sie  nun  in  solchen  zum
Nachteil  derer  Redlichen  M""  1,  1 j i  oder  */*  Jahr  gearbeitet,  lassen
sie  sich  vor  */,  fl.  abstraffen,  und  sollen  dann  wieder  vor  redliche  Gesellen ­
  passieren."  Weiterhin  bringen  sie  eine  Reihe  von  Punkten  in
Vorschlag,  „welche  ohne  Zweifel  den  gesuchten  Zweck  erreichen  werden"
und  welche  „denen  redlichen  Gesellen  gar  zu  keinem  Nachtheil  gereichet,
weil  doch  jeder  gedenckt,  mit  der  Zeit  selber  auch  Meister  zu  werden!"
Die  Vorschläge  sind  die  folgenden:
„1™°  sollte  keinen  redlichen  Gesellen  Rheinisch  oder  Schwäbisch
’)  Justi  1780,  Bd.  I,  S.  107,  120,  123;  Bd.  II,  S.  582ff.;  Jung  1794,
®.  617.  -)  Schauplatz  1775,  Bd.  IV,  S.  111.
3 )  Schauplatz  1766,  Bd.  V,  S.  343,  421.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.