Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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2.  Kapitel.
Die  Gerbstoffe.
Eine  zweite  Reihe  von  Rohstoffen  für  die  Gerberei  faßt  man
unter  dem  Namen  Gerbstoffe  oder  Gerbmaterialien  zusammen.  Man
gliedert  dieselben  nach  der  Einteilung  der  Gerberei  in
1.  vegetabilische  Gerbstoffe,
2.  mineralische  Gerbstoffe,
3.  Fette  und  Öle.
Dazu  kommen  dann  noch  eine  Reihe  weiterer  Hilfsstoffe,  welche  entweder ­
  zu  den  Vorarbeiten  oder  während  des  Gerbeprozesses  neben  den
eigentlichen  Gerbstoffen  oder  endlich  in  der  Zurichterei  nötig  werden.
Wir  werden  uns  im  folgenden  hauptsächlich  auf  die  Gerbmaterialien
der  Weißgerberei  beschränken;  da  aber,  worauf  bereits  in  der  Einleitung ­
  hingewiesen  wurde,  die  technische  Einteilung  des  Gerbeprozesses
und  die  wirtschaftliche  Gliederung  der  Handwerke  sich  nicht  deckt,  da
weiter  eine  einheitliche  geschichtliche  Entwicklung  selbst  in  größten  Zügen
aller  dieser  Gerbematerialien  bisher  noch  nicht  gegeben  wurde,  und
weil  wir  endlich  bei  unseren  ferneren  Darlegungen  eben  wegen  der
innigen,  fast  unlösbaren  technischen  und  wirtschaftlichen  Beziehungen
der  verschiedenen  Zweige  der  Gerberei  auf  verschiedene  Daten  auch  der
anderen  Gerbematerialien  nicht  verzichten  können,  so  soll  wenigstens  ein
kursorischer  Überblick  auch  über  diese  hier  versucht  werden.
Als  wichtigster  Gerbstoff  der  Weißgerberei  tritt  uns  der  Alaun
entgegen,  zu  dessen  ebenso  eigentümlicher  wie  interessanter  Geschichte  wir
uns  zuerst  wenden.

8  4.  Der  Alaun.
Die  Frage  nach  dem  Vorkommen  der  Weißgerberei  im  Altertum
ist  zunächst  identisch  mit  der  Frage  nach  der  Bekanntschaft  der  Alten
mit  dem  Alaun.
Die  Schriftsteller,  welche  sich  über  den  Alaun,  lateinisch  alumen
und  griechisch  arvmrjQta,  geäußert  haben,  sind  Herodot,  vor  allem  aber
Plinius  und  Dioskorides,  in  späterer  Zeit  noch  Galen  und  Diodor.
Schon  daraus,  daß  Plinius  und  Dioskorides  mindestens  drei  Z  Arten,
Galen  sogar  sechs  verschiedene  Arten  des  Alauns  kennt,  ergibt  sich

»)  Vgl.  Blümner  1887,  S.  26.
2 )  Galen  de  simpl.  medio,  temper.  IX,  p.  30.
            
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