Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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die  Notwendigkeit  zu  einer  kritischen  Untersuchung  über  die  Substanzen,
welche  die  Alten  unter  ihrem  Begriffe  Alaun  zusammenfaßten.  Solche
Untersuchungen  sind  ausgeführt  worden  zuerst  von  Beckmann,  dann
von  Kopp,  Lenz,  Blümner  u.  a.,  und  das  Ergebnis  dieser  Untersuchungen
ist  in  kurzem  folgendes.  Während  Beckmann  den  Alten  die  Kenntnis
des  Alauns  überhaupt  abspricht  x ),  glauben  die  späteren  Beurteiler,  daß
er  hin  und  wieder  vielleicht  doch,  wenn  auch  stets  in  starker  Verunreinigung ­
  vorgelegen  habe.  Die  Farbe  des  Alauns  wird  angegeben
als  weiß,  milchweiß *  2 ),  meist  aber  schwärzlich  bis  dunkel.  Sein  Geschmack ­
  ist  zusammenziehend,  aber  gelegentliche  Reaktionen,  welche  für
den  Alaun  angegeben  werden,  zeigen,  daß  dies  keine  Reaktionen  des
Alauns  selbst  sein  können;  denn  er  färbt  Granatäpfel  und  Galläpfel
dunkel^),  andererseits  aber  dient  der  Helle  Alaun  in  der  Färberei  für
Helle  Nüancen,  der  dunkle  Alaun  für  braune  und  dunkle  Farben^).
Danach  ist  der  Alaun  des  Altertums  wahrscheinlich  mehr  oder  weniger
reines  Aluminiumsulfat,  wenn  er  als  weiß  angegeben  wird,  und  dieses
Aluminiumsulfat  ist  für  die  Fälle  der  dunkleren  Sorten  des  Alauns
mehr  und  mehr  vermischt  mit  anderen  Sulfaten  und  Vitriolen,  namentlich ­
  mit  Eisenvitriol;  gelegentlich  mögen  diese  Sulfatgemische  dann  auch
echten  Alaun  enthalten  haben.
Über  die  Gewinnung  des  Alaunes  erhalten  wir  keine  zuverlässigen
Nachrichten.  Der  Alaun  der  Alten  ist  ausschließlich  natürlicher  Alaun 5  * ),
was  ebenfalls  wieder  für  die  oben  gegebene  Hypothese  der  Sulfatgemische ­
  spricht;  von  Alaunsiedereien  ist  nirgends  die  RedeH.
Verwendung  fand  der  Alaun  in  der  Medizin,  Gerberei,  Färberei,
Zur  Imprägnation  von  Holz  und  für  Metallarbeiten.
Als  Fundort  endlich  wird  vor  allen  Dingen  Ägypten 7  8 )  bezeichnet,
aus  dessen  Ausbeuten  z.  B.  der  König  Amasis  dem  delphischen  Tempel
100  Talente  schenkte,  wozu  die  in  Ägypten  wohnenden  Hellenen  noch
20  Minen  ihrerseits  legten^).  Weiter  werden  erwähnt  die  liparischen
Inseln,  namentlich  Lipara  und  Strongyle,  Melos,  Macedonien,  Sardinien, ­
  Hierapolis  in  Phrygien,  Libyen,  Armenien,  Pontus,  Spanien
und  Cypern 2 ).
Interessant  ist  noch  der  Bericht  Diodors,  daß  nur  auf  den  liparischen
Inseln  der  Alaun  in  namhaften  Mengen  vorkomme,  weshalb  die  Liparier
0  Beckmann  1784,  Bd.  II,  S.  92  ff.
2 )  Vgl.  auch  Lassen  1847,  Bd.  III,  S.  20.  3  * )  Blümner  1887,  S.  29.
4 )  Kopp  1843,  Bd.  IV,  S.  56ff.;  Blümner  1887,  S.  29.
°)  Beckmann  1784,  Bd.  II,  S.  93.
°)  Plimus  34,  Kap.  12,  Bd.  II,  S.  664;  Isiäor  Orixin.  lid.  16,  eap.  2;
Dioskorides,  Bd.  V,  S.  114.
7 )  Dioskorides,  Bd.  V,  S.  122;  Plinius  XXXV,  S.  184.
8 )  Herodot  II,  S.  180.  °)  Blümner  1887,  S.  26,  Anm.  49.
Ebert,  Entwicklung  der  Weißgerberei.  4
            
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