Full text: Das Zolltarifgesetz der Vereinigten Staaten von 1913

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Die republikanische Formel von dem Ausgleich der Erzeu 
gungskosten hatte sich in der Anwendung als unmöglich erwiesen. 
Der vorzügliche Bericht des Tarifausschusses ließ deutlich er 
kennen, daß es unmöglich war, die Kosten der Wollerzeugung 
unter den üblichen Farmverhältnissen genau anzugeben und daß 
unter anderen Verhältnissen die Kosten sich in verschiedenen 
Gegenden wieder ganz anders stellten, so daß das Ausgleich 
rezept unbrauchbar war. Das Prinzip des „Konkurrenztarifs“ war 
ebenso nutzlos. Der Zoll auf Wolle war seit vielen Jahren kon 
kurrierend gewesen, d. h. die Importe waren stetig im Wachsen 
begriffen. Soweit Einkünfte in Betracht kamen, würde eine 
völlige Abschaffung des Zolls unbedingt einen fiskalischen Verlust 
bedeutet haben. Man konnte auch nicht behaupten, daß die Woll- 
zucht eine „illegitime Industrie“ sei, ausgenommen vom Stand 
punkte des Freihändlers. Auch hier scheint man sich klar gegen 
die verschleierten und apologetischen Schutzzollargumente ent 
schieden zu haben. 
Der Zoll auf Wolle läßt sich nur vom Standpunkt des floch- 
schutzzöllners verteidigen. Der Zoll auf Wolle ist eine der Ano 
malien in den Tarifgesetzen der Vereinigten Staaten gewesen. 
Keins der führenden Länder hemmt und belastet seine Fabrika- 
tionsindustrie durch Besteuerung der Wolle. Zölle auf Rohmate 
rialien sind nicht allein mit den Grundsätzen des Freihandels, son 
dern auch mit denen einer aufgeklärten und vorsichtigen Schutz- 
Politik unvereinbar. Trotzdem ist in der Geschichte der Ver 
einigten Staaten während des halben Jahrhunderts, das unserem 
Bürgerkriege vorausging, und auch in der folgenden Hochschutz- 
Zollperiode, Wolle in den Vereinigten Staaten immer zollpflichtig 
gewesen. Eine Erklärung hierfür findet man vielleicht darin, daß 
Pian dadurch der Landbevölkerung einen Schutz gewähren wollte. 
Bast alle sonstigen landwirtschaftlichen Produkte werden gewöhn 
lich aus einem Lande von der Konstruktion der Vereinigten 
Staaten exportiert, nicht importiert. Einfuhrzölle können daher 
hier keinen Einfluß haben. Allein Wolle bildete eine Ausnahme; 
hier mußten die Vereinigten Staaten ständig zu ausländischen Vor 
räten ihre Zuflucht nehmen. Die inländische Produktion ist groß, 
Dotzdem wird importiert. So liegt also die Möglichkeit vor, den 
Barmer zu schützen und ihn dadurch zum Anhänger der allge-
	        
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