Full text : Die Aufgaben der Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft

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hat.  Einst  nannte  er  Adam  Smith  etwas  mitleidig  einen
„Stubengelehrten“,  dagegen  rühmt  er  in  einem  jüngst 1 )  in
der  Internationalen  Wochenschrift  veröffentlichten  Aufsatze
Adam  Smiths  „unendlich  feine  Beobachtung  des
täglichen  Lebens“  und  nennt  ihn  „einen  der  großen
Sterne  der  Aufklärung“,  kein  National-Ökonom  nach  ihm
habe  so  mächtig  auf  das  Leben  gewirkt  wie  er.  Ricardo
und  Say  bekommen  zwar  in  demselben  Artikel  noch  eine
wenig  gute  Zensur,  sie  haben  nach  Schmoller  den  „wissenschaftlichen ­
  Geist  des  großen  Lehrers  über  Bord  geworfen“.
Ein  Urteil,  dem  sich  schon  heute  nur  noch  sehr  wenige
wissenschaftliche  Vertreter  der  Volkswirtschaftslehre  anschließen ­
  werden.
Es  ist  gewiß  nicht  wissenschaftliche  Überlegenheit, ­
  die  dem  „Historismus“ 1  2 )  den  „Sieg“  über  den  Klassizismus ­
  so  leicht  machte;  wobei  gar  nicht  geleugnet  werden
soll,  daß  der  Historismus  uns  durch  Darbietung  einer
Überfülle  von  Tatsachen  in  geistvoller  Gruppierung  mancherlei ­
  wertvolle  Aufschlüsse  gebracht  hat,  die  freilich  vielleicht ­
  noch  mehr  bedeuten  für  die  Geschichte,  die  Ethnographie, ­
  die  Soziologie,  die  Verwaltungslehre  etc.  als  für
die  Wirtschafts-Wissenschaft.
Trotz  der  hervorragenden  wissenschaftlichen  Leistungen
des  Historismus  bleibt  es  doch  wahr,  daß  er  dem  Klassizismus ­
  auf  wissenschaftichem  Gebiete  einen  entscheidenden ­
  Kampf  nicht  einmal  angeboten,  viel  weniger
einen  solchen  Kampf  ausgefochten  hat.  Sieht  man  von

1)  15.  Juni  1907.
2)  Nur  der  Kürze  halber  wird  dieses  allgemein  übliche  Wort  hier
gebraucht,  es  ist  sehr  wenig  präzise,  namentlich  für  die  Vorstellung,
wie  Verfasser  sie  sich  von  dem  Wesen  und  der  Bedeutung  der  „Antiklassiker“ ­
  in  Wissenschaft  und  Leben  zurechtgelegt  hat.
            
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