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Erwin Respondek
arbeiten in der Praxis oft ineinander. Die Coulisse vermag durch ihre
Anpassungsfähigkeit an Konjunkturumschläge, Krisen aller Art, dem
Pariser Finanzmarkte eine schätzenswerte Elastizität zu gewähren
und im Verein mit dem Parkett durchaus glücklich und marktregelnd
zu wirken.
Aus diesem Aufbau des Pariser Marktes geht die überragende und
wichtige Stellung des Wechselmakler-Syndikats deutlich hervor. Sie
wurde in bewußter Weise nach den gezeichneten Richtungen ausgebaut
und die weiten Machtbefugnisse, die dem amtlichen Makler- Syndikat
eingeräumt sind, haben es seinen Mitgliedern ermöglicht, sich in den
spekulativen und anlagesuchenden Schichten der Bevölkerung eine
Vertrauen und Ansehen sichernde Position zu erwerben. Weniger bevor
zugt und fest, dafür aber um so lebhafter und beweglicher in der reinen,
eigenen Spekulation arbeitet die Coulisse. Äußerlich kommt der Unter
schied zwischen diesen beiden Elementen der Pariser Börse schon in der
Höhe der ihnen anvertrauten Reportengagements zum Ausdruck. Der
Zahlungsaufschub, den sich die Börse selbst gewährte, legt Reportgelder
im Markte der Wechselmakler von etwa 500 Mill. Frcs. und in dem der
Coulissiers dagegen nur von 150—160 Mill. Frcs. fest. Er traf aber beide
Gruppen gleich schwer, und man suchte daher von allen Seiten nach
einer Lösung. Es ist bereits dargelegt, daß diese Gelder einen Teil der
Kapitalien von Privaten und auch Banken bilden, die durch Vermittlung
beider Maklergruppen im Reportgeschäft investiert wurden. Sie stellen
zum größten Teil zeitweilig im Handels- und Zahlungsverkehr nicht
benötigte Kapitalien dar, die aus Rücksichten auf den relativ hohen
Zinsertrag und ihre leichte Realisierbarkeit ohne Bedenken den Maklern
zur Anlage überwiesen wurden. Nunmehr ist es unmöglich, sie zurück
zuleiten. Zwar sind sie durch den Aufschub nicht verloren, aber der
Wirtschaft entzogen und unproduktiv festgelegt. Dies bedeutet natür
lich eine schwere Belastung für die Geldgeber, Banken und Private.
Die letzteren namentlich forderten daher eine möglichst rasche Abwick
lung der Engagements und erhofften, wie bereits erwähnt, eine end
gültige Regelung am Ultimo des Monats August 1914. Dennoch wurden
die Verbindlichkeiten weiter hinausgeschoben und von Monat zu Monat
mußte auch späterhin die Prolongation erneuert werden. In der Zwischen
zeit wurden zahlreiche Vorschläge diskutiert, um diese Frage zur Zu
friedenheit aller Betroffenen zu lösen. Man sagte, daß die Verhält
nisse am Ende des nächsten Monats kaum vorteilhafter sein könnten,
als am Ende des vorherigen und daß man sofort zur Liquidierung schrei
ten, die Reportengagements aus Anlaß einer unerwarteten höheren
Gewalt lösen müßte. Diese einfache Lösung des komplizierten Problems
ist eine ebensowenig überzeugend einleuchtende und richtige wie radikale
Maßregel. Sie ist gewiß höchst leicht, dürfte aber die Reportgeldfrage
in ihrem Kern selbst nicht treffen. Denn die Kapitalien sind in jenen
Engagements seit langer Zeit fest angelegt, bereits vollständig verbraucht,
und an ihre Stelle müssen neue Gelder treten, um die alten Kapitalien,