Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft.
153
willt, dem Staate ihre finanziellen Güter darzubieten, so wird dieser
sich an das kapitalkräftigere Ausland wenden müssen, um dort durch
Anleihen und Krediteröffnungen die für seine Kriegführung unumgäng
lich notwendigen Kapitalien zu erlangen. Die Beschaffung des Kapitals
zur Kriegführung ist hiernach auf drei Wegen möglich: durch Noten
bank, Anleihe im Inlande oder Krediteröffnung im Auslande.
Um nun in den gefahrvollen und an Wechselfällen so reichen Tagen
des Krieges in der Wahl der Mittel nicht behindert oder eingeengt zu
sein, hatte die französische Regierung in der Parlamentssitzung vom
4. August 1914 sich eine Blankovollmacht für ihre künftigen Hand
lungen erteilen lassen. Sie darf während der Vertagung der Kammern
sich provisorisch eröffnen: „alle ergänzenden und außergewöhnlichen
Kredite, die für die Bedürfnisse der nationalen Verteidigung notwendig
sind, durch von der Regierung zu erlassende Dekrete, die vom Minister
rat beschlossen und genehmigt worden sind". Ihre Maßnahmen unter
liegen seitens der gesetzgebenden Körperschaften nur der nachträglichen
Genehmigung.
Schon die Tradition führte den Finanzminister zunächst zur Noten
bank. Zu ihr hatte das Schatzamt das alte Vertrauen bewahrt, und auch
jetzt wurde, wie in früheren Jahrzehnten, die Bank von Frankreich
zur ausschließlichen Kriegsfinanzierung herangezogen. Es wurde be
reits unter dem Kapitel „Notenbank" ausführlich dargelegt, wie die
Vorschußpflicht der Bank von Frankreich gemäß den Anforderungen
gesteigert wurde, und wie von Woche zu Woche die Vorschüsse ge
waltig anwuchsen und in den kürzesten Zeitabschnitten hohe Ziffern
erreichten;
Am 31. Juli 1914 .... 205,00 Mill. Frcs.
,, 1. Oktober 1914 .... 2x00,00 ,, ,,
„ 15. Oktober 1914 .... 2400,00 „ „
,, 10. Dezbr. 1914 .... 3600,00 ,, ,,
„ 24. Dezbr. 1914 .... 3900,00 „ „
Dieses rasche Anwachsen m den ersten fünf Kriegsmonaten kann
wenig verwundern, denn die Ausgaben für die Kriegführung wurden
durch die Kosten der Mobilmachung erhöht. Auch späterhin ruhte die
Last der Geldbeschaffung auf der Notenbank, trotz aller Bestrebungen,
neue Kapitalquellen zu erschließen. Hieifür gibt die nachstehende
Tabelle einen kleinen Überblick. Im Laufe der Monate betrugen dann
die Vorschüsse (in Mill. Frcs.):
So vom 1. August 1914 bis 1. Februar 1915 4100,00
„ 1. Februar 1915 „ x. April 1915 4800,00
„ 1. April 1915 „ I. August 1915 6500,00
„ 1. August 1915 „ I. Dezbr. 1915 7600,00
„ 1. Dezbr. 1915 ,, 3°- Dezbr. 1915 5200,00 (X. Kriegs-Anleihe)
„ 1. Januar 1916 „ 4- Mai 1916 7600,00
„ 4. Mai 1916 „ 6. Juli 1916 8300,00
„ 6. Juli 1916 „ 3. August 1916 8500,00
Diese Z hlen zeigen das Gesamtbild der Inanspruchnahme während
zweier Kriegsjahre an. Im Dezember 1915 sank die Vorschußsumme