Full text: Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

IÖ2 
Erwin Respondek, 
1 
Der Absatz der neuen Obligationen ging nicht so glatt vor sich, 
wie es allgemein erhofft wurde. Es wurden gezeichnet: 
Vom 27. Februar bis 17. März 1915 durch Konversion der 
3/4 % Rente und Ribotins 936,00 
durch bar 124,00 
Bis Ende April 1915 durch Konversion der 314% Rente 781,00 
durch direkte Subskription und Konversion der Ribotins 
ab 27. Februar ■ . 969,00 
im Monat Mai 231,00 
„ „ Juni • 392,00 
„ „ Juli ■ ■ 322,00 
Bis 31. Juli 1915 insgesamt 
1060,00 Mill. Fros. 1 ) 
1750,00 
945,00 „ 
2695,00 Mill. Frcs. 
Am 31. Oktober 1915 waren nach einer Mitteilung des Finanzministers 
in seiner Kammerrede vom 26. November 1915 = 3659 Mill. Frcs. ab 
gesetzt. Hierunter fallen Barzeichnungen und Konversionen von National- 
Verteidigungs-Wechseln in Höhe von 2739 Mill. Frcs. 
Nach Mitteilung von R i b 01 in der Kammerrede vom 13. Januar 
1916 waren bis zu diesem Tage 3824 Mill. Frcs. abgesetzt. 
Die Ergebnisse der Zeichnungen sind, nach diesen Ziffern zu urteilen, 
keineswegs als „durchaus zufriedenstellend“ zu bezeichnen, wie es der 
Finanzminister in seinen Kammerreden immer anzuführen pflegte. 
Unter Berücksichtigung der konvertierten Summen ist die Beteiligung 
der baren Zeichner vielmehr als höchst mangelhaft anzusprechen. Worin 
die Zurückhaltung der großen und kleinen Kapitalisten ihren Grund 
haben mag, ist nicht ersichtlich, da die Obligationen ein reicher Kranz 
von Vergünstigungen für die Gegenwart und Zukunft umgibt. Die 
Einwände, daß die Obligationen zu geringe Haussechancen für die 
Börsenspekulation haben, wie sie aus manchen Kreisen angeführt 
wurden, sind nicht stichhaltig. Man vergißt mit Unrecht, daß ein Vor 
zugszeichnungsrecht für künftige Anleihen doch die besten Haussechancen 
in sich birgt und eine ebenso hohe Vergünstigung darstellt, wie der 
Ekart zwischen Emissionskurs und Parirückzahlungskurs. Es mag aber 
vielleicht daran gelegen haben, daß die National-Verteidigungs-Obli- 
gationen nicht auf den Rentenmarkt an der Börse eingeführt wurden. 
Eine offizielle Notiz im Börsenhandel hätte möglicherweise die Speku 
lation angereizt, lebhaftere Käufe in den Schatzobligationen vorzu 
nehmen und wäre auch für das anlagesuchende Publikum vorteilhafter 
gewesen. Einmal sehen die Kapitalisten und Sparer einen täglichen 
Kurs und dürften so das beruhigende Gefühl gewinnen, jederzeit in der 
Lage zu sein, im Falle des Bedürfnisses realisieren zu können. Gegen 
9 Vgl. dagegen Koppe, a. a. O. S. 745. Zeichnungen auf N. V.-Obligationen 
für die Periode bis zum 21. März: 
Durch Umtausch der 3Y 2 % Rente .... 575, 00 Mül. Frcs. 
„ „ von N. V.-Wechsein . . . 153,00 „ „ 
demnach durch bare Zeichnungen 332,00 ,, „ 
Insgesamt 1060,00 Mill. Frcs. 
Ribot gab als Barzeichnungssumme nur 253,00 Mill. Frcs. an.
	        
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