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Erwin Respondek,
Die Emission dieser Inhaberbons wird dem Schatzamte wohl nur
geringe Summen einbringen 1 ). Aber dadurch, daß auch der kleinste
Mann zum Ankauf von Staatspapieren angehalten wird, läßt die Re
gierung keinen Weg aus dem Auge, sich neue Kapitalsquellen immer
wieder zu erschließen. Auch die bescheidensten der französischen Sparer
können durch vereinte Teilnahme an den finanziellen Anstrengungen
ihres Landes sicherlich willkommene Hilfe leisten. Und jeder Betrag,
auch ein Sou, ist willkommen.
Diese drei Formen von Schatzscheinen, wie sie die französische Re
gierung in der Zeit von Mitte September 1914 bis Ende August 1915
schuf, tragen den Stempel der Kurzfristigkeit. Sie sind keine Anleihen
in dem Sinne, wie es den finanziellen Gepflogenheiten und Dogmen
entspricht, sondern gleichsam nur Anleiheersatz. Ihre endgültige Kon
solidierung blieb daher ein Problem, das noch der Lösung harrte. Es
ist aber, bevor in den Betrachtungen über die weiteren Wege und Mittel
der Kapitalbeschaffung berichtet wird, hier zunächst notwendig, die
Periode der Schatzschein-Dekretierungen in den Rahmen des Kriegs
budgets hineinzustellen und zu sehen, welche Krediteröffnun
gen die Regierung bisher erlangte, und wie die Budgetausgaben sich
parallel zu den Einnahmen entwickelt haben.
Bereits am 13. August 1914 erlangte der Finanzminister die Unter
schrift des Präsidenten der Republik für ein Dekret, das zum Budget
des laufenden Jahres ergänzende und außerordentliche Kredite eröff-
nete. Dieser erste Kriegskredit steht nach dem Wortlaut des Erlasses
den Ministerien der Finanzen, des Auswärtigen und Innern, sowie des
Krieges und der Marine zur Verfügung. Er wurde mit einer Gesamt
summe von rund 2754,00 Mül. Frcs. ausgestattet. Von diesem Betrag
wurden allein 2686,00 Mill. Frcs. für die Kriegskosten abgezweigt, so
daß für die beiden anderen Gruppen nur 68,00 Mill. Frcs. zur Verfügung
standen. Die Herbeischaffung dieser Summen lag dem Schatzamte ob,
das bei der Notenbank den vollen Betrag sukzessive abgehoben hat.
In den weiteren Kriegsmonaten forderte der Finanzminister eine
Reihe von neuen Kriegskrediten, die hier nur in ihrer Gesamtziffer an
geführt sein mögen, da sie von keinen bedeutsamen näheren Erklärungen
begleitet waren und der Öffentlichkeit nicht bekannt sind. Es wurden
im Verlauf der ersten fünf Kriegsmonate, also vom 1. August 1914 bis
zum 31. Dezember 1914, durch Dekrete Kredite eröffnet, die in ihrer
Gesamtsumme 6441,00 Mill. Frcs. erreichen. Hierzu kam am 22. De
zember 1914 ein Nachtragskredit von 30,00 Mill. Frcs., von dem aber
16,00 Mill. Frcs. zurückgezogen wurden. Somit erreichten die Kredite
für diese Zeit einen Betrag von 6455,00 Mill. Frcs. Hiervon erhielt das
Ministerium für den Krieg 6092,00 Mill. Frcs. zugewiesen.
Für das erste Semester des Jahres 1915 forderte der Finanzminister
einen neuen Kredit, der für die Zeit vom 1. Januar 1915 bis 30. Juni
b Zahlenmäßige Mitteilungen über Zeichnungserfolge sind bis jetzt nicht zu er-
mitteln gewesen.