Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft.
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gestellt haben. Das Ausland erweist sich in der Kreditgewährung nicht
so bereit, wie es wohl erwartet werden konnte. Die zweite heimische
Kapitalquelle, die kurzfristigen Schatzwechsel- und Obligationen, vermag
nicht die erwünschten Summen zu liefern. Der Absatz der National-
Verteidigungs-Wechsel und -Obligationen gestaltete sich immer schwie
riger, war überaus unbefriedigend und hält mit der Zunahme der Mo
natsausgaben keinesfalls auch nur annähernd Schritt.
Wie auch diese Dinge finanzpolitisch liegen und sich in Zukunft
entwickeln mögen, so darf dennoch angenommen werden, daß das Schatz
amt die finanziellen Schwierigkeiten zu überwinden imstande sein wird,
sei es mit der noch freien Summe der Notenbankvorschüsse, sei es durch
den denkbar günstigsten Absatz der Schatzwechsel und Obligationen,
sowie durch Kredit Operationen in London und New York. Aber früher
oder später wird das Schatzamt zu einem anderen Mittel dennoch seine
Zuflucht nehmen müssen, jetzt ohne Rücksicht auf die innere ökonomische
und äußere militärische Lage, und zwar zu einer festen Anleihe, zu
dem klassischen französischen Mittel der „nationalen Anleihe“. In der
Tat liegt ja der Gedanke sehr nahe, dem Schatzarate durch eine An
leihe Kapitalien zur Verfügung zu stellen. Und dies um so mehr, als
Frankreich bereits in einer ähnlichen Lage — in den Jahren 1871—1872
— diesen Weg beschritten hatte. Hierbei hatte man — freilich in den
Proportionen jener Zeit — einen großen Erfolg erzielt. Die erste 2 Mil
liarden Frcs.-Anleihe 1 ), die mit 5 % ausgestattet zu 82% emittiert
wurde, brachte dem Tresor effektiv 2293,00 Milk Frcs. Nach 13 Monaten
erbrachte ein neuer Appell, die 3 % Rente zu 84% % * 2 ), einen guten Er
folg, nämlich 3498,00 Mül. Frcs. Diese Summen und die Vorschüsse
der Notenbank ließen Frankreich die Gesamtkosten des Krieges 1870/71,
die R i e ß e r auf 9,3 Milliarden veranschlagt 3 ), rasch abdecken. So sind
die alten Methoden der Anleiheoperation glückliche Vorbilder für eine
korrespondierende Transaktion in der heutigen Zeit.
Die Regierung nahm auch bald den Gedanken der Anleiheemission auf
und ließ ihn durch den Finanzminister R i b o t bekannt geben. R i b 01
berührte die Anleihefrage schon recht frühzeitig in seiner Kammerrede vom
16. September 1915 mit den Worten: „Die Regierung beabsichtigt, Ihnen
demnächst ein Anleiheprojekt vorzulegen.“ Mit großem Interesse wurde die
Anleihe von der Öffentlichkeit erwartet, da sie zeigen wird, welche Mittel
und Wege der Finanzminister anwenden muß, um die Emission für das
Schatzamt nach außen hin vorteilhaft und glänzend wirken zu lassen und so
die innere Unvollkommenheit der finanziellen Lage der Regierung zu über
decken. In der Öffentlichkeit war die Stimmung für eine Anleihe gut.
Man forderte aber in den vielen Artikeln eine für Frankreich klassische
Anleihe, die den nationalen Gewohnheiten entspricht, also eine ewige
x ) Emittiert: am 20. Juni 1871.
2 ) Emittiert: am 15. Juli 1872.
3 ) R i e ß e r, J., Finanzielle Kriegsbereitschaft und Kriegführung.
S. 16.
Jena 1913,