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Die Zusammenarbeit von Arbeitsnachweis und Heimarbeits
ausgabe muß sich ganz nach den gegebenen Verhältnissen richten. An
manchen Orten ist dem Arbeitsnachweis als eigene Abteilung die
Ausgabe von Heimarbeit angegliedert, so in Berlin und Schöneberg,
wo allerdings eine Reche anderer Stellen daneben bestehen, in
Darmstadt, in Frankfurt a. M. (für die Ausbesserungen). In Han
nover ist die Nähstube auch räumlich mit dem städtischen Kriegsfür
sorgeamt verbunden und bildet ein festes Glied in der Kette der
städtischen Kriegsfürsorge. Es ist aber ebensowohl denkbar, daß pri
vate, unabhängige Organisationen die Ausgabe besorgen und nur
die Zuweisung resp. Wiederentziehung der Arbeiterinnen durch den
Arbeitsnachweis geschieht; oft wird sich aus den örtlichen Verhält
nissen eine Verbindung beider Systeme ergeben.
Es bleibt noch die Frage zu behandeln, ob es zweckmäßiger ist,
wenigen Frauen volle, zur Deckung ihres Lebensunterhalts genü
gende Arbeit zu geben, oder viele Frauen mit Arbeitsmengen zu
bedenken, die nur einen Nebenerwerb bieten. Das Nachlassen der
großen Aufträge hat zumeist von selbst dazu geführt, die Arbeit zu
strecken und unter möglichst viele zu verteilen, und da das Bedürf
nis nach Heimarbeit stets das Angebot weit übersteigen wird, auch
der Anreiz, sich anderwärts lohnendere Arbeit zu suchen, nicht unter
drückt werden darf, hat dieser Grundsatz auch für später volle Be
rechtigung. Doch wird man die ans die einzelnen Arbeiterinnen
entfallenden Mengen stets so hoch halten müssen, daß der Lohn noch
wesentlich für den Lebensunterhalt ins Gewicht fällt und die Ver
teilung nicht unwirtschaftlich wird. Ob man rein schematisch Höchst
sätze festlegt oder die individuelle Bedürftigkeit berücksichtigt, wird
davon abhängen, ob man das letztere kann; größere Ausgabestellen
werden in der Regel zu gleichmäßigen Sätzen greifen, ein System,
das den Vorzug größerer Bequemlichkeit hat, mancherlei Unzuträg
lichkeiten vorbeugt, wenn es auch Härten in sich schließt. Das
Hannoversche System, die Arbeitsvermittlung ganz in den Dienst
der Kriegsfürsorge zu stellen, ermöglicht es, den Verdienst der Höhe
der sonstigen Einnahmen und Bedürfnisse anzupassen, ist aber nur
denkbar, solange Kriegsfürsorgeorganisationen bestehen, die nicht
Armenpflege sind.