Full text: Die Heimarbeit im Kriege

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sich dorthin wendet, steht im allgemeinen —abgesehen vielleicht von 
den gegenwärtigen abnormen Verhältnissen — unter dem Durch 
schnitt. Da es sich fast immer um nicht mehr ganz junge Frauen 
handelt, die schnell verdienen müssen, ist an eine längere allseitige 
Ausbildung, wie sie für die wechselnden Privataufträge nötig ist, 
gar nicht zu denken. Was erreicht werden kann, ist eine saubere 
Ausführung immer wiederkehrender einfacher Typen wie Anstalts 
und Militärwäsche usw. Darüber hinaus wird man schon bei der 
llnbiegsamkeit des in Frage kommenden Menschenmaterials nicht 
gelangen. Etwas anders als in der Näherei liegt die Sache in 
der Spitzenindustrie, da es hier nicht so sehr auf Vielseitigkeit als 
auf Fertigkeit in einer Technik, vielleicht sogar einem oder weniger 
Muster ankommt. In ider Näherei, Weberei, Korbflechterei u. a. m. 
steht und fällt aber die gemeinnützige Arbeitsvermittlung mit der 
Ueberlassung größerer Massenaufträge von staatlichen und kommu 
nalen Behörden und Anstalten, zu denen ergänzend die Kon- 
sumvereine, private große Anstalten und Werke treten können. Die 
Heeresbehörden sind in großem Stil damit vorgegangen, ihre Auf 
träge planmäßig als Notstandsarbeiten zu vergeben; damit ist der 
Gedanke, alle öffentlichen Lieferungen diesen, Zwecke dienstbar zu 
machen, in weiteste Kreise getragen und wird hoffentlich die Wider 
stände persönlicher Interessenten, die sich namentlich in den Stadt 
parlamenten geltend machen, in Zukunft besser als bisher überwinden 
können. 
3. Neueinführung und Wiederbelebung von Heimarbeit. 
Ist durch die gemeinnützige Vergebung der großen Staats 
aufträge — den Näharbeiten schließen sich die Korbmacher-, Sattler- 
und Schuhmacherarbeiten an —- Bedeutendes für die Bekämpfung 
der Arbeitslosigkeit unter den Heimarbeitern geschehen und erscheint 
die Beibehaltung des Systems unter Vorbehalt weitergchender Ver 
feinerung wünschenswert, da es sich hier um technisch hochstehende, 
dem Wettbewerb des geschlossenen Betriebes gewachsene Hansge- 
iverbe, deren Erhaltung sich unter volkswirtschaftlichen Gesichts-
	        
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