Full text : Die Heimarbeit im Kriege

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schmaler,  laufender  Meterware  lohnt.  Für  gewisse,-in  geringen
Mengen  hergestellte  Ware  wird  daher  die  Handspitze  ihrer  größeren
Billigkeit  und  Beweglichkeit  halber  ihren  Markt  behalten;  irr  Betracht
kommen  besonders  bessere  Qualitäten  und  eigenartige  Muster,
auch  reiue  Liebhaberware.  Die  Herstellung  schmäler  Meterware
in  ihren  geringeren  Qualitäten  ist  in  scharfem  Rückgang  begriffen
rnrd  wird  fast  nur  noch  von  älteren  Frauen  betrieben;  die  Löhne
sind  durch  die  Maschinenkonkurrenz  tief  unter  den  Lebensmindestbedarf
  herabgedrückt.  Während  des  dritten  Kriegswinllrs,  also  zu
einer  Zeit  enorm  gesteigerter  Lebensmittelpreise,  wurden  der  Verfasserin ­
  im  Erzgebirge  Löhne  von  50  Pf.  pro  Tag  als  Durchschnittsmtgelt
  für  diese  Qualitäten  angegeben.  Unter  diesen  Umständen
geht  ihre  Herstellung  ntit  der  Hand  naturgemäß  dem  Aussterben
entgegen.
Die  von  der  Konfektion  verwendeten  Klöppelspitzen  sind  fast
durchweg  Barmer  Torchons;  auch  für  die  Verzierung  von  Decken,
Gardinen  usw.  werden  in  größtem  Umfange  mechanische,  nur  in
höheren  und  höchsten  Preislagen  echte  Spitzen  verwendet.  Unzweifelhaft ­
  werden  unendlich  viele  Spitzen  als  e  ch  t  verkauft,  die  nie
ein  Klöppelkissen  gesehen  haben;  für  den  Laien  ist  es  eben  völlig
unmöglich,  den  Unterschied  zu  machen.  Die  Inserate  in  den  Fachblättern, ­
  in  denen  „echte"  und  „täuschend  imitierte"  Klöppelspitzen
gleicherweise  angeboten  werden,  reden  eine  deutliche  Sprache.
Auch  die  Herstellung  von  Filetnetzen  wivd  maschinell  mit  großer ­
  Vollkommenheit  betrieben,  und  sogar  die  Handnähspitze,  die
lange  scheinbar  unnachahmbar  war,  wird  neuestens  so  vollkommen
von  Maschinen  hergestellt,  daß  man  nur  mit  der  Lupe  echte  und
unechte  Ware  von  einander  unterscheiden  kann.
Allerdings  ist  hier  die  nraschinelle  Herstellung  noch  verhältnismäßig ­
  teuer,  wie  überhaupt  die  Herstellung  der  inechanischen
Spitze  dadurch  erschivert  ist,  daß  die  Webstühle  teuer  sind,  hoch  amortisiert ­
  werden  müssen  und  bei  den  enormen  Konjunkturschwankungen ­
  nach  Aussage  der  Spitzenfabrikanten  nicht  immer  voll  benutzt
werden.  In  Zeiten  der  Hochkonjunktur  wird  ebenso  wie  in  der
Textilindustrie  die  .Heimarbeit  stärker  in  Ansprrrch  genommen.  Das
            
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