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Die Hausweberei ist seit langem als untergehendes
Gewerbe anerkannt; sie hat ihrem Umfang nach stark abgenom
men, hält sich aber trotzdem noch in manchen Gebieten mit einer
merkwürdigen Zähigkeit. Ihr völliges Aussterben, das schon seit
Jahrzehnten prophezeit wird, ist immer noch nicht eingetreten, und
nenerlich werden sogar Versuche gemacht, sie künstlich wieder zu be
leben.
Diese Versuche gehen von drei Seiten aus:
1. Man will den Hausfleiß, die Erzeugung für den eigenen
Bedarf anregen, um die Zeiten winterlicher Beschäftigungslosigkeit
auszufüllen, wobei man jedoch zugibt, daß es nicht allein ans
eine bargeldsparende, sondern auch ans eine b a r a e l d b r i n g e n -
d e Tätigkeit abgesehen ist. Es soll namentlich die Herstellung der
ber Stoffe für iw Arbeitskleidung der ländlichen Bevölkerung ge
fördert werden. Auf diesem Gebiet ist besonders der Verein zur
Förderung volkstümlicher Heimarbeit in Ostpreußen tätig; auch in
der Rheinprovinz und dem Eichsfeld werden die alten Handweb
stühle wieder vorgeholt. Solange es sich wirklich nur um die Ver
wendung völlig nutzloser Stunden iimb Arbeit für den eigenen Be
darf handelt, läßt sich natürlich nichts dagegen einwenden; allerdings
darf nie vergessen werden, daß mit dem gleichen Recht etwa das
Herstellen von Seife und das Ziehen von Lichtern propagiert werden
kann. Die Versuche, die Handweberei als Gewerbe durch Schaffung
von Absatzorganisationen neu zu beleben, kämpfen durchweg mit
den allergrößten Absatzschwierigkeiten für ihre verhältnismäßig
teueren Erzeugnisse.
2. Es soll die Herstellung künstlerischer Qualitäten gefördert
werden. Namentlich wird dabei auf alte Volkskunst zurückgegriffen,
die in Litauen, Weizacker, Nordschleswig, Baden und anderen
Orten hervorragend Schönes geleistet hat. Man bemüht sich, schöne
Muster- und Farbenzusammenstellungen zu schaffen, gute Rohstoffe
und licht- und waschechte Farben zu liefern, mitunter zurückgreifend
auf Pflanzenfarbstoffe, die nach altem Verfahren hergestellt sind.
So sehr anerkannt weiden muß, was hier inbezug aus die Hebung
der künstlerffchen Qualität geleistet ist, so wenig darf vergessen