145
sehr wenig erfreulich. Sv bedeutet jede Heimarbeit, die neu einge
führt wird, nur eine neue schwere Konkurrenz für die schon vorhan
denen Heimarbeiter. Ein Bedarf an Arbeitskräften über das sich
schon anbietende Mas; hinaus ist nicht vorhanden; im Gegenteil ist
die Ueberfüllnitg nirgends so stark ivie in der Heimarbeit. Das ist
die Grundtatsache, die für die Beurteilung der Gesamtfrage ent
scheidend sein muß und die bei der Förderung der ländlichen Heim
arbeit zu größter Vorsicht und Gewissenhaftigkeit mahnt; auf
wenigen Gebieten kann durch sozialpolitischen Dilettantismus so
viel geschadet werden.
Mit diesen Erörterungen ist der Versuch gemacht, die Wechsel
beziehungen zwischen Landwirtschaft und Heimarbeit klarzustellen;
unbeantwortet geblieben ist aber die angesichts des Menschen
mangels auf dem Lande und der ungesunden Hypertrophie der In
dustriestädte wahrlich ernst zu nehmende Frage: Was kann man tun,
um dem Lande die notwendige Füllarbeit, den unentbehrlichen
Nebenverdienst zu schaffen und, s o w e i t e s d u r ch d i e s M i t-
t e l überhaupt möglich i st, der Landflucht entgegenzuwir
ken? Dabei sei aber nochmals betont, daß die Beschaffung von
Nebenerwerb nur e i n und noch dazrc in seiner Wirkung beschränktes
Mittel ist, und daß namentlich die Frage der Bodenbesitzverteilung
ein viel wichtigerer Faktor bei der Lösung des Problems ist. Der
Eigenbesitz — das einzig aussichtsreiche G e g e ic an
zieh n n g s ni i t t e l gegen die Lockungen des st ä d-
tischen Lebens — das ist das Fazit, das Gertrud Dyhren-
furth, ldie Frau, die wohl am tiefsten in der Seele unseres Land
volkes gelesen hat, ans den umfangreichen Untersuchungen des
„Ständigen Ausschusses zur Förderung der Arbeiterinneninteressen"
gezogen hatL) „Die Arbeit, die die Frau in fremder Wirtschaft
nicht mehr leisten will, sollte in erhöhtem Maße in ihre eigene
verlegt werden, damit sie dort die gleichen Werte für die Volkswirt
schaft erzeugt."
ff „Untersuchungen über die Avbeits- und Lebe n 8ve r hältn-isse der
Frauen in der Landwirtschaft." Jena 1914.
Leimarbeit im Kriegs.
10