Full text: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

8 Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle. 
der englisch-ostindischen ist Büsch entschieden auf Sir Philip Francis Seite und gegen 
das Ausfaugesystem der Clive rc., wobei seine merkantilistischen Nachklänge und sein 
allgemeiner Widerwille gegen England zusammenwirken. Alle Monopolien sowie 
alle Regierungsgeschäfte einer Handelskompagnie verwirft er unbedingt. 
Er gehört auch zu den frühesten Kennern jener Volkswirtschaftskrankheit, die 
mit dem Namen Handelskrise bezeichnet wird. Dieses tun nicht bloß feine Auf 
sätze über die Hamburger Krisen von 1763 und 1799 dar, sondern mehr noch seine 
einsichtsvolle Warnung vor Überfüllung des neu eröffneten Marktes in Nordamerika, 
wobei echt praktische Bemerkungen über die Natur des Handels mit jenem Lande im 
allgemeinen vorkommen. So hat sich z. B. seine Vermutung vollkommen bewährt, 
daß die Vereinigten Staaten es noch lange zu keiner Navigationsakte im englischen 
Sinne des Wortes bringen würden. 
Auch feine übrigen Voraussagungen von Nordamerikas Zukunft sind großen 
teils merkwürdig eingetroffen. So z. B., daß die Vereinigten Staaten von eigent 
lichem Eroberungsgeisie noch lange frei bleiben werden; daß sie aber alle Aussicht 
haben, vor Ablauf eines Jahrhunderts ein gewaltiges Industrieland zu werden: eine 
Aussicht, die Europa jedoch nicht notwendig zu fürchten brauche, da „jeder Anwachs 
des Menschengeschlechtes das Total der wechselseitigen Beschäftigungen vermehrt und 
neues Auskommen, neue Geschäfte überall in der polizierten Welt entstehen macht, 
wenn er gleich die alten in einen nicht leicht genau vorgesehenen Gang bringt." 
Dagegen sind Büschs früher so berühmte Schriften über Münz - und Bank 
wesen weit mehr technisch und privatökonomisch als volkswirtschaftlich. 
5. Heinrich Friedrich Karl Freiherr vom und zum Stein. 
Von Konrad Matschoß. 
Matschoß, Staat und Technik. Vortrag. Sonderabdruck aus der Zeitschrift des 
Vereines deutscher Ingenieure, Jahrgang 1911. Kommissionsverlag: Julius Springer, Berlin. 
S. 10-12. 
Im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts brach der morsch gewordene 
Preußische Staat unter der Stoßkraft des großen Korsen zusammen, und gerade dieser 
Zusammenbruch zeigt erschreckend deutlich, wie innerlich abgestorben die Beziehungen 
der äußeren Staatsform zu den einzelnen Staatsbürgern geworden waren. Niemand 
erkannte damals diesen Grundschaden deutlicher als der aus altem reichsfreiherrlichem 
Geschlecht entsprossene Heinrich Friedrich Karl Freiherr vom und 
zum Stein, der zum Reorganisator Preußens berufen fein sollte. 
Stein war durch die Schule der Technik gegangen. Zwar hatte er in ELttingen 
mit 16 Jahren auch Rechtswissenschaft auf Wunsch seiner Eltern gehört, aber in 
erster Linie galt sein Interesse damals der englischen Verfassungsgeschichte. Von dem 
Beruf der damaligen Rechtsgelehrten, den er auf kurze Zeit in Wetzlar beim Reichs 
kammergericht näher kennen lernte, schrieb er seinem Freund, „daß er durch die Masse 
der Begriffe, womit er das Gedächtnis belastet, den Geist ermüdet und alle Ein 
bildungskraft ersttckt". Reichliche Nahrung aber für diese Einbildungskraft fand 
Stein in seiner großen technischen Laufbahn, in die er durch Deutschlands großen 
Bergwerksminister v. Heinitz eingeführt wurde. In Berlin an der Zentralstelle 
lernte er die technische Verwaltung eingehend kennen. Ausgedehnte Studienreisen 
mit Heinitz und v. Reden führten ihn in den praktischen Betrieb ein. Die außer 
gewöhnliche Befähigung gerade für den technischen Beruf führte dazu, daß der König 
ihn mit 25 Jahren schon zum Oberbergrat ernannte. Zwei Jahre später übernahm
	        
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