Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

dann  könnte  man  über  die  beiden  Gruppen  A  und  B,  sowie  C,  D  und  E  aussagen  r
(v4-  (B)  (C|  -j-  (D)  -j-  (E).
Wir  würden  zu  dem  Ergebnis  kommen,  daß  die  erste  Gruppe  weniger
Glück  aufweist  als  die  zweite.  Diese  so  gebildete  Glücksmenge  würde  vielleicht
einen  Iselin  *)  bei  seinen  Erörterungen  fördern,  heute  würde  wohl  vor  allem
die  Frage  lauten:  „Wie  groß  ist  die  auf  den  Kopf  entfallende  Glücksmenge?“
Die  beiden  Menschengruppen  würden  bei  dieser  Betrachtungsweise  gleich
glücklich  erscheinen.
Wir  sehen,  daß  es  einen  guten  Sinn  haben  kann,  von  der  Lust  zu
sprechen,  die  auf  den  Kopf  der  Bevölkerung  entfällt  ;  es  wäre  naheliegend,
den  Begriff  der  auf  den  Kopf  entfallenden  Lust  allgemein  einzuführen.
Die  auf  den  Kopf  entfallende  Lust  einer  Gruppe  kann  zuweilen  mit
der  auf  den  Kopf  entfallenden  Lust  einer  zweiten  Gruppe  verglichen  werden,
ohne  daß  man  die  Summen  miteinander  vergleichen  könnte  ;  so  ist  die  auf
den  Kopf  entfallende  Lust  in  der  Gruppe  A  und  B  größer,  als  in  der  Gruppe
C,  D  und  E:
(A)  =  (B)  >  fC)  =  (D)  =  (E),
(A)  +(B)  ?  (C)  +  (D)+  (E).
Aber  nicht  einmal  die  auf  den  Kopf  entfallende  Lust  kann  immer  herausgehoben ­
  werden.  Es  gibt  Fälle,  in  denen  wir  weder  über  die  Lust,  die  auf
den  Kopf  einer  Gruppe  entfällt,  noch  über  die  Gesamtlust  etwas  aussagen
können,  so  etwa  wenn:
(A)  >  (C)  >  (D)  >  (E)  >  (B),
(A)  +  (B)  ?  (C)  -f  (D)  -f  (E).
Wir  sehen,  wie  selbst  in  einfachen  Fällen,  in  denen  wir  zahlreiche  Annahmen ­
  machten,  welche  die  Berechnung  erleichtern,  sich  daraus,  daß  die
Sensationen  nur  vergleichbare,  nicht  auch  meßbare  Größen  sind,  Grenzen  für
die  Betrachtung  ergeben.  Grundsätzlich  könnten,  auch  wenn  die  in  Frage
kommenden  Gruppen  eine  verschiedene  Anzahl  von  Individuen  aufweisen,  die
auf  den  Kopf  entfallenden  Lüste  miteinander  verglichen  werden,  wodurch  wir
z.  B.  in  die  Lage  versetzt  wären,  den  Reichtum  eines  Staates  pro  Kopf  zu
berechnen,  während  die  Einwohnerzahl  sich  geändert  hat.  Aber  diese  an  sich
denkbare  Vergleichbarkeit  ist  nicht  allgemein  durchführbar,  weil  sich
Grenzen  aus  sehr  abstrakten  Erwägungen  heraus  ergeben,  noch  lange  ehe  man
zu  den  Schwierigkeiten  der  konkreten  Lusterhebungen  gelangt  ist.
Wenn  man  sich  auch  von  vornherein  darüber  klar  sein  muß,  daß  die
rationalistische  Lebensbeschreibung  nur  einen  Teil  der  Lust  und  Unlust  wirklich
zu  erfassen  vermag,  so  muß  man  andererseits  dennoch  folgerichtig  alle  Arten
von  Lust  und  Unlust  zusammenstellen,  die  einer  solchen  vollständigen  Betrachtung ­
  zugrunde  gelegt  werden  müßten.  Gerade  solche  Versuche  zeigen  uns,
wie  weit  wir  von  einer  umfassenden  Behandlung  dieser  Dinge  entfernt  sind®).

3.  Bedingungen  der  Lust  und  der  Unlust.
Durch  Untersuchung  der  Lust  und  Unlust  Bedingungen  wird  eine
Annäherung  an  jene  Begriffsgebiete  angebahnt,  welche  den  üblichen  Einkommenslehren ­
  angehören.  Eine  durchgehende  Auseinandersetzung  mit  ihnen
ist  hier  nicht  beabsichtigt.  Anpassung  an  dieselben  ist  nur  so  weit  erwägens-8)

  Iselin,  Träume  eines  Menschenfreundes.  I,  Karlsruhe  1784.  Die  wirtschaftliche ­
  Ordnung.  1.  Teil.  Wirtschaftliche  Grundbegriffe,  S.  67:  „der  Schöpfer
will,  daß  die  größte  mögliche  Anzahl  Menschen  auf  der  Erde,  die  größte
mögliche  Anzahl  Wesen  in  seiner  ganzen  Schöpfung,  die  größte  mögliche  Glückseligkeit ­
  in  dem  vollkommensten  Ebenmaße  genieße“.
®)  Vgl.  Steinmetz,  Die  Philosophie  des  Krieges,  Leipzig  1907,  vor
allem  S.  46  ff.  Über  die  Freuden  des  Krieges,  S.  158,  vgl.  Grundsätzliches  bei
Müller-Lyer,  Soziologie  der  Leiden.  A.  Langen.  München.
            
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