Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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wert,  als  der  Grundgedanke  dieser  Darstellung,  eine  allgemeine ­
  Grundlage  jedweder  Naturalrechnung  zu  erlangen,
die  sich  ebenso  ungezwungen  auf  naturalwirtschaftliche,  wie  auf  geldwirtschaftliche ­
  Vorgänge  anwenden  läßt,  nicht  darunter  leidet.
Daß  die  unmittelbare  Erhebung  der  Lust-  und  Unlustdaten  in  genügender
Vollständigkeit  gegenwärtig  aussichtslos  erscheint,  sei  es,  daß  wir  dieselben
zur  Feststellung  der  Sensationenverteilung,  sei  es,  daß  wir  sie  zur  Berechnung
des  Gesamtreichtums  benötigen,  ist  genügend  hervorgehoben  worden.  Wir
vermögen  ja  noch  nicht  einmal  in  eng  begrenzten  Fällen  für  experimentelle
Zwecke  Behagen  und  Schmerz  eindeutig  zu  bezeichnen  und  zu  beschreiben.
Wohl  aber  kann  man  in  erheblichem  Ausmaß  die  Bedingungen
der  Lust  und  Unlust  erfassen  oder  mindestens  Anzeiger  ihrer  Änderungsrichtung ­
  beschreiben.  Die  Lust-  und  Unluständerungen  hängen  im  wesentlichen
von  zwei  Gruppen  von  Bedingungen  ab  ;  die  eine  Gruppe  umfaßt  die  Fähigkeiten ­
  des  Individuums,  Lust  und  Unlust  zu  empfinden,  die
andere  Gruppe  die  „Reize“,  welche  Lust  und  Unlust  hervorrufen.

Daß  ein  Mensch  in  einer  Berufsart  mehr  zu  essen  bekommt,  als  in  einer
anderen,  ist  leicht  feststellbar,  schwieriger  fällt  es  dagegen,  zu  erheben,  wie
weit  die  Fähigkeiten,  Lust  und  Unlust  zu  empfinden,  durch  verschiedene  Umstände ­
  beeinflußt  werden.  Insbesondere  gilt  dies,  wenn  verschiedene  Perioden
und  verschiedene  geographische  Gebiete  miteinander  verglichen  werden  sollen.
Eine  Arbeitsleistung,  die  in  einer  Gegend  bereits  erhebliche  Unlust  erweckt,
mag  in  einer  anderen  kaum  empfunden  werden.  Diese  Umstände  bereiten  der
Beurteilung  des  Lebensstandards  auf  Grund  von  Haushaltungsrechnungen  große
Schwierigkeiten.  Wenn  man  z.  B.  feststellen  würde,  daß  eine  bestimmte  Arbeiterkategorie ­
  mit  ihren  Geldeinkommen  heute  dieselben  Güter  kaufen  kann  wie
vor  fünfzig  Jahren,  würde  man  sagen  können,  daß  die  Sensationengesamtheit
die  gleiche  geblieben  ist?  Selbst  wenn  man  ganz  davon  absieht,  daß  die  relative ­
  Stellung  dieser  Arbeitergruppe  zu  anderen  Arbeitergruppen  verschoben
erscheint,  dürfte  heute  die  unmittelbare  Lust-  und  Unlustempfindung  sich
erheblich  von  der  damaligen  unterscheiden.  Eine  Lebensweise,  die  damals  als
angenehm  galt,  kann  heute  vielleicht  schon  als  unerträglich  empfunden  werden,
oder  umgekehrt.  Wenn  man  derlei  auch  nicht  genau  erfassen  kann,  so  muß
man  darauf  bei  der  Erläuterung  von  Daten  um  so  mehr  Rücksicht  nehmen.
Im  allgemeinen  kann  man  mit  einiger  Sicherheit  sagen,  daß  in  einer  bestimmten ­
  Gegend  diejenigen,  welchen  mehr  Brot,  mehr  Fleisch  usw.  zur  Verfügung ­
  steht,  sich  wohler  fühlen  als  diejenigen,  welchen  davon  weniger  zur
Verfügung  steht.  Es  fehlt  freilich  wieder  jede  Berechnungsgrundlage,  wenn
etwa  der  Brotkonsum  bei  einer  Gruppe  größer  ist,  dafür  aber  der  Fleischkonsum ­
  geringer.  Weder  die  Berücksichtigung  der  Qewichtsmengen,  noch  jene
der  Kalorien,  noch  andere  Hilfsmittel  führen  uns  zu  einem  brauchbaren  Ergebnis.
Die  Kleidernutzung,  die  Büchernutzung,  welche  mit  dem  Konsum  von  Brot,
Zucker  usw.  auf  eine  Stufe  zu  stellen  wäre,  läßt  sich  nicht  in  gleicher  Weise
feststellen.  Wir  müssen  uns  eben  an  die  Nutzungsquellen  halten  und  erheben,
wieviel  Bücher,  Kleider,  Wohnraum  usw.  dem  Einzelnen  zur  Verfügung  stehen.
Es  sind  dies  ja  Daten,  die  umfassendere  Haushaltungsbeschreibungen  ohnedies
zu  erfassen  suchen.  In  ähnlicher  Weise  müßte  man  aber  auch  den  Theaterbesuch, ­
  Vergnügungsreisen  usw.  und  als  Ursachen  der  Unlust  die  Arbeitszeit,
Krankheiten  usw.  feststellen.  Durch  entsprechende  Anwendung  des  Taylorsystems, ­
  das  freilich  zu  ganz  anderen  Zwecken  erdacht  wurde,  könnte  man
Daten  darüber  erhalten,  wie  viele  Menschen  bis  zur  Übermüdung  arbeiten,  wie
viele  unter  ihrer  Intelligenz  beschäftigt  sind  und  derlei  mehr.  Der  Zusammenhang ­
  zwischen  den  einzelnen  Daten  und  der  Lust  und  Unlust  mag  dabei  freilich
nicht  immer  gleichartig  sein.  Gerade  solche  ungemein  konkreten  Untersuchungen
leisten,  wie  wir  zu  zeigen  versuchten,  abstraktesten  Forderungen  Genüge.  Bisher
hat  man  Haushaltungsrechnungen  von  dieser  Seite  her  in  der  Theorie  viel  zu
wenig  Aufmerksamkeit  geschenkt  ;  vor  allen  Dingen  sie  auch  zu  wenig  dazu
verwendet,  um  in  Verbindung  mit  anderen  Daten  sie  zur  Schaffung  einer
            
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