Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Wägungen  die  Bildung  von  Verhältniszahlen  versuchen  kann,  sei  die  Regenstatistik ­
  der  Vereinigten  Staaten  von  Amerika  erwähnt.  Die  amerikanische
Statistik  geht  u.  a.  darauf  aus,  festzustellen,  welche  Bedeutung  der  Regenfall
für  die  Bevölkerung  hat.  Die  einzelnen  Messungen  der  Regenmenge  werden
zu  diesem  Zwecke  mit  der  Bewohnerzahl  der  Fläche  kombiniert,  auf  die
sich  der  Regen  fall  erstreckt.  Ein  Sinken  der  durchschnittlichen  Regenmenge  in
diesem  Sinne  muß  z.  B.  keine  Veränderung  des  Klimas  bedeuten,  sondern  kann
aut  eine  Veränderung  der  Siedelung  hinweisen  Es  ist  anzunehmen,  daß  die
weitere  Entwicklung  der  Wohlhabenheitsstatistik  auch  derartigen  Fragen  vermehrte ­
  Aufmerksamkeit  schenken  wird.
Außer  der  Verbrauchsstatistik  benötigen  wir  auch  eine  Nutzungsstatistik, ­
  welche  feststellen  müßte,  wieviele  Kleider,  Tische,  Bücher  usw.
benutzt  werden.  Eine  Feststellung  des  jährlichen  Zuwachses  genügt  keineswegs, ­
  nicht  einmal  zur  Erfassung  der  Abnutzung,  wenn  wir  uns  in  Zeiten
größerer  Veränderungen  bewegen.i^)  Auch  Bibliotheksbesuch,  Zeitungslektüre,
Besuch  der  Theater  usw.  läßt  sich  erfassen  und  verwerten.
Zur  Nutzungsstatistik  gehört  auch  die  Behausungsstatistik.  Ihre
heute  schon  weit  gediehene  Entwicklung  hängt  vor  allem  damit  zusammen,
daß  Wohnungen  als  Mietobjekte  Gegenstände  des  freien  Verkehrs  und  der  Besteuerung ­
  sind,  und  daß  Wohnungsverhältnisse  mehrfach  zu  sozialpolitischen
Zwecken  untersucht  wurden.
Die  Bedingungen  der  Unlust  erfassen  wir  insbesondere  durch  Arbeitszeitstatistiken, ­
  Unfallstatistiken,  sowie  durch  Zusammenstellungen  über  Morbidität ­
  und  Mortalität.
Wir  sehen,  wie  sich  heute  auf  demokratischer  Basis  mehr  im  Rahmen
kriegswirtschaftlicher  Diktaturen  eine  Geistesrichtung  entfaltet,  welche  mit  jener
des  aufgeklärten  Absolutismus  in  mehr  als  einer  Richtung  verwandt  ist.  Der
aufgeklärte  Absolutismus  kannte  in  der  Erforschung  der  Lebensverhältnisse
seiner  Untertanen  keine  Schranken,  war  er  doch  bereit,  überall  beglückend
einzugreifen.i^)  Diese  Ideen  der  Volksbeglückung  brachten  die  Beamtenschaft
des  Absolutismus,  welche  das  Staatsganze  im  Auge  hatte,  in  Konflikt  mit  dem
Adel  und  den  Ständen,  die  sich  der  zentralistischen  Wohlfahrtspolitik  ebenso
wie  der  dazu  gehörigen  Statistik  widersetzten.  Das  Ideal  derselben  sah  ein
F.  Zizek,  Die  statistischen  Mittelwerte,  1908,  S.  196.
12)  Nur  für  stabile  Zeiten  kann  man  Robert  Meyers  Bemerkung
gelten  lassen  (Das  Wesen  des  Einkommens.  Berlin  1887,  S.  161):  „Der  Fall
periodischer  Herbeischaffung  von  Teilquantitäten  dauerbarer  Güter  entspricht
aber  in  weitem  Umfang  den  tatsächlichen  Verhältnissen  der  Volkswirtschaft,
indem  der  volkswirtschaftliche  Bedarf  an  Kleidungsstücken,  Möbeln,  Instrumenten, ­
  Büchern  usw.  sich  zu  einem  ziemlich  kontinuierlichen  gestaltet.  Vom
Standpunkt  der  Volkswirtschaft  führt  also  jenes  Verfahren,  die  in  jeder  Einkommensperiode ­
  fertig  werdenden  Gebrauchsgüter  dem  Einkommen  zuzuzählen,
wenn  anders  die  Bedingungen  regelmäßiger  Produktion  vorhanden  sind,  zu
einem  Ausdruck  für  das  Einkommen,  welcher  auch  für  das  Maß  der  Bedarfsbefriedigung ­
  in  dieser  Periode  einen  Ausdruck  gewährt,  der  für  die  praktischen ­
  Bedürfnisse  in  den  allermeisten  Fällen  ausreichen  wird.“
13)  Vergl.  z.  B.  Shad  well,  England,  Deutschland  und  Amerika.  Berlin
1908,  der  überhaupt  in  trefflicher  Weise  zeigt,  wie  man  Statistik  und  Beschreibung ­
  miteinander  verbinden  kann,  um  eine  Grundlage  für  vergleichende
Betrachtungen,  soweit  solche  möglich  sind,  zu  gewinnen.  Darüber,  wie  man
Anschaffungen  von  Schuhen,  Kleidern  usw.  zu  beurteilen  hat,  wie  man  überhaupt ­
  derartige  Daten  erfassen  kann,  bringt  wertvolle  Bemerkungen  R.  E.  May
vor  :  Kosten  der  Lebenshaltung  und  Entwicklung  der  Einkommensverhältnisse
in  Hamburg  seit  1890  (Schriften  d.  Ver.  f.  Sozialpol.  Bd.  145,  IV.  Teil,
S.  266  f.,  367  f.  und  sonst).
11)  Vergl.  Karl  Pribram,  Die  amtliche  Statistik  Österreichs  am  Scheidewege, ­
  S.  2  und  Die  Statistik  als  Wissenschaft  in  Österreich  im  19.  Jahrhundert
nebst  einem  Abrisse  seiner  allgemeinen  Geschichte  der  Statistik  (Stat.  Monatsschr.
  1913).
            
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