Full text: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Die Kriegswirtschaft. 
(1910.) 
,,Die höchste zurzeit realisierte Einigung der 
Individuen unter dem Rechtsgesetz ist die des Staates 
und der Nation; die höchste gedenkbare Ver 
einigung ist die der gesamten Menschheit.“ 
Friedrich List. Nationales System der 
politischen Ökonomie. Einleitung. 
Der Krieg wird in den systematischen Werken der Nationalökonomie 
wenig berücksichtigt. In den üblichen Nachschlagewerken, so im Handwörter 
buch der Staatswissenschaften und im Wörterbuch der Volkswirtschaft, fehlen 
die Artikel: Krieg und Heer.i) Nur in den Systemen der Finanzwissenschaft 
wird dem Krieg zuweilen ein breiterer Raum gewidmet.^) Auch sonst haben 
Autoren dem Krieg im Rahmen größerer Untersuchungen ihr Augenmerk zu- 
gewendet.3) Monographien über kriegswirtschaftliche Probleme finden sich 
bereits früh.*) In der letzten Zeit nimmt ihre Zahl zu, und man kann wohl 
hoffen, daß in nicht allzu ferner Zukunft die Kriegswirtschaft als 
Ganzes eine ausreichende systematische Behandlung erfahren wird. Gerade 
die Fragen, welche die Zusammenhänge dieser Erscheinungen untereinander 
betreffen, pflegen im Gegensatz zu speziellen Problemen nur andeutungsweise 
behandelt zu werden. Eine befriedigende Theorie der Kriegswirtschaft wäre 
erst dann vorhanden, wenn man wenigstens an einem Schema zu zeigen ver 
möchte, wie die wirtschaftliche Lage der einzelnen Menschengruppe sich 
während des Krieges ändern kann. Man müßte gewissermaßen eine 
Art Kataster der Realeinkommen entwerfen, der dann einen 
annähernden Überblick über die Lust - und Unlustverteilung 
1) Vgl. F. Naumann, Neudeutsche Wirtschaftspolitik. 1906, S. 363, 
2) Vgl. z. B. Ad. Wagner, der nicht nur in seinem systematischen Werk 
über Finanzwissenschaft, sondern auch sonst des öfteren eingehend über kriegs 
wissenschaftliche Probleme geschrieben hat. 
3) Vgl. z. B. G. V. G ü 1 i c h, Geschichtliche Darstellung des Handels, der 
Gewerbe und des Ackerbaues der bedeutendsten handeltreibenden Staaten un 
serer Zeit. 5 Bde, Jena 1830 ff. Dieser Autor neigt dazu, die Handelsgeschichte 
nach Kriegs- und Friedensperioden einzuteilen. 
Als weiteres Beispiel eines Werkes, das im Zusammenhang mit anderen 
Fragen auch den Krieg behandelt, sei Th. Tookes und W. Newmarchs 
Geschichte und Bestimmung der Preise während der Jahre 1793—1857, deutsch 
von C. W. Asher, Dresden, 2 Bde., 1858f., genannt. 
*) Vgl. z. B. aus dem XVIII. Jahrhundert die treffliche Abhandlung 
Struensees, Über die Mittel, deren ein Staat sich bedienen kann, um das 
zu seinen außerordentlichen Bedürfnissen, besonders in Kriegszeiten, nötige 
Geld zu erhalten. Der Autor, ein früherer Minister Friedrichs des Großen, 
übersetzte im Jahre 1776 Aufsätze des durch seine Kredittheorie berühmten 
Pinto und fügte eine Anzahl eigener Abhandlungen bei, welche sich zum 
Teil an Pintos Gedankengang anschlossen. Eter erwähnte Aufsatz von 
Struensee findet sich auch in seinen Berlin 1800 erschienenen „Abhand 
lungen über wichtige Gegenstände der Staatswirtschaft“. I, S. 165 ff.
	        
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