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stand zu beseitigen. Vor allem würden aber die staatlichen Stellen die maßgebende
Willensbildung auf dem Gebiete der Produktion und des Verbrauchs
in der Hand haben.
Dieses Vorgehen würde den großen Vorteil gewähren, daß ein ausgebildeter
gesellschaftstechnischer Apparat zur Verfügung stünde
und eine große Zahl fähiger und entsprechend vorgebildeter Köpfe
verwendet werden könnte, deren Mitarbeit die Wirtschaftlichkeit der Sozialisierung
wesentlich erhöhte. Die Schwierigkeiten, welche sich einem solchen
Plan entgegenstellen, sind vorwiegend politischer Natur. Auf der einen
Seite mißtrauen sozialdemokratische Kreise den Unternehmern und den mit
gesellschaftlich oder gemütsmäßig verbundenen Kreisen aufs äußerste.
Sie ubergeben den Unternehmern nicht gern weitgehende Machtbefugnisse,
mag dies auch durch deren Fachkenntnis geredhtf^igt scheinen, wen jede
Macht leicht auch politisch verwendet werden kann. Auf der andern Seite ist
die Zahl der Unternehmer und ihrer Anhänger zunächst gering, welche die
Sozialisierung auf alle Fälle für unabwendbar ansehen und ernstlich daran denken,
innerhalb der neuen Ordnung die Produktion und Verteilung in veränderter
Stellung mit zu leiten. Gar viele von ihnen sind zu äußerstem Widerstand
entschlossen und wollen, wie gewisse politische Konservative, mit fliegenden
Fahnen untergehen. Zum Teil ist dies Verhalten durch die Sorge begründet,
die Sozialisierung werde eine Vernichtung ihrer Existenz bedeuten, zum Teil
durch die Annahme, es sei doch noch möglich, die Sozialisierung endgültig
abzuwehren und eine Wiederkehr der überlieferten Zustände herbeizuführen.
Auch gibt es nicht wenige, welche davon überzeugt sind, eine sozialisierte Ordnung
werde noch unwirtschaftlicher sein als eine nichtsozialisierte.
Die Sozialisierung ist dort am leichtesten möglich, wo die Durch organisation
und Zentralisation der Wirtschaft besonders weit fortgeschritten
ist; die planmäßige Verwaltung aller Kräfte liegt dort am nächsten,
wo die Not zu weitgehendster Sparsanikeit drängt. Ein Volk, welches,
wie das deutsche, weitgehend organisiert und überdies
in Not ist, wird daher der Sozialisierung besonders zugänglich
sein. Die Organisationen, welche die eben verflossene Kriegsnot
schuf, werden von der gegenwärtigen Friedensnot gerne übernommen und
fortgeführt.
Eine demokratische und sozialistische Verwaltung der Gesamtwirtschaft
kann auch eine weitgehende Demokratisierung der Betriebe
mit sich bringen. Dies ist aber keineswegs notwendig. Es kann innerhalb
einzelner Betriebe, ja ganzer Betriebsgruppen eine Art Absolutismus herrschen,
wie ja auch innerhalb einer sozialistischen Milizarmee der Feldherr, trotz
seiner Abhängigkeit vom Volke, gegenüber dem einzelnen Soldaten weitgehende
Rechte besitzen kann. Volkskommissare und verantwortliche Beamte mit großer
Machtvollkommenheit sind mit Demokratie durchaus vereinbar. Eine Demokratisierung
der Betriebe.^ die soweit geht, daß die technische Leitung durch Arbeiterräte,
die Verwaltung ganzer Betriebsgruppen durch Ausschüsse höherer
Ordnung erfolgt, bedeutet gesellschaftstechnisch eine Lähmung der Produktion.
Die gesarnte gesellschaftliche und geschichtliche Erfahrung zeigt,
daß Ausschüsse für (eine derartige Leitung ungeeignet sind. Nur dort, wo
der Gemeinschaftsgeist, wie etwa in kleinen Bauerngruppen, lebendig ist, kann
von einer autoritären Organisation abgesehen werden; auch da müßte man im
Interesse des Gemeinschaftsgeistes wohl manche Produktionsverringerung in Kauf
nehmen. Falsch ist es, wenn man vom Rätesystem produktionstechnisch
eine Verbesserung der Lebenslage erwartet.
Das als politische Einrichtung geschaffene Rätesystem führt durch sein
Hervorheben des Einzelbetriebes im Wirtschaftlichen leicht zu einer Pflege
des Streikwesens, das mit einer durchsozialisierten Gesellschaft völlig
unvereinbar ist ; für sie ist der Streik le i n e Form des Bürgerkrieges.
Würde das Streiken innerhalb einer sozialisierten Wirtschaft anerkannt werden,
so könnte das nur eine Bevorrechtung der in den lebenswichtigen Betrieben
beschäftigten Arbeiter gleichkommen. Die Arbeiter des Verkehrswesens, der
Elektrizitätswerke, der Wasserwerke usw. könnten jederzeit an ihren Volksge-