Full text: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Die großen Vorteile, die der Krieg dem Sieger brachte, machen es wohl 
begreiflich, weshalb man, solange noch eigentliche Bürgerheere bestanden, die 
Teilnahme lan einem Feldzug oft mehr als ein Recht denn als eine Pflicht ansah. 
Es galt bei den Römern und auch bei den meisten anderen Völkern als Grund 
satz, daß feindliches Staatseigentum im allgemeinen an den siegreichen Staat 
falle, Privateigentum an die Armiee oder an die Bürgerschaft.is) Um Unordnung 
zu vermeiden, gab es eigene Beuteordnungen für die Armee, in denen genau 
festgesetzt war, wie systematisch geplündert und die Beute dann verteilt werden 
solle.Nach siegreichen Kriegen betrugen die Einnahmen der Soldaten oft 
mehr als einen halben Jahressold. Wie wesentlich die Beute gewesen sein 
muß, kann man auch daraus entnehmen, daß sie in Bundesverträgen eine Rolle 
spielte.18) Da es in der römischen Republik durchschnittlich jedes zweite Jahr 
zu einer Verteilung von Beute kam, bildete sie für viele einen fast regelmäßigen 
Einkommenbestandteil.19) 
Dem (modernen Krieg fehlt ein Äquivalent der Beute, wenn wir von der 
Kaperei und einigen Ausnahmefällen absehen, d. h. die zu erwartenden Vorteile 
sind für den gemeinen Mann weniger deutlich. Und zieht selbst einer in den 
Krieg, im Bewußtsein, sich und den Seinen ein erhöhtes Einkommen zu ver 
schaffen, so schwebt ihm das Ergebnis seiner Tapferkeit nicht so vor, wie dem 
„beutegewohnten Krieger“,20) dessen Heldentaten die alten Autoren schildern. 
Doch wäre es irrig, zu glauben, daß neben der Beute nicht auch Freude am 
Kampf, Vaterlandsliebe, Furcht vor Strafe oder Schande eine hervorragende 
Rolle gespielt hätten. 
Die Angliederung neuer Produktionsgebiete war im Altertum, ebenso wie 
auch heute, von größter Wichtigkeit. Die römische Landwirtschaft wurde 
teilweise dadurch vernichtet, daß neu erworbenes Gebiet Getreide billiger zu 
produzieren vermochte und noch überdies die Regierung zu billigen Preisen oder 
sogar zeitweilig umsonst seit dem Ende der Republik Getreide in Rom verteilen 
ließ. Die Großgrundbesitzer wandten sich vielfach der Weidewirtschaft zu, 
wodurch viele brotlos wurden, da dasselbe Gebiet, welches früher zur Bestellung 
zahlreiche Arbeiter benötigte, nun eine große Herde mit wenigen Hirten be 
herbergte. Hierzu kam noch die zunehmende Verwendung der Sklaven im Mittel 
meergebiet nach großen Kriegen. Die Kriege brachten am Ende der römischen 
Republik große Sklavenmassen auf den Markt, welche den Arbeiter in ähnlicher 
Weise seiner Arbeitsgelegenheit beraubten, wie die Maschinen in der modernen 
Entwicklung. Nur brachte die Verwendung der Sklaven keine Erweiterung der 
Produktion mit sich. Gesetzgeberische Versuche in Griechenland und Rom, 
dem Überhandnehmen der Sklaverei zu steuern, indem nur ein bestimmter 
Prozentsatz Sklaven verwendet werden sollte, hatten keinen Erfolg.21) Eine 
Wandlung trat erst ein, als in der römischen Kaiserzeit die Eroberungskriege 
abnahmen und überdies geringere Sklaven,ausbeute lieferten. Dies war mit ein 
Grund für die bessere Behandlung der Sklaven und deren schrittweise Befreiung, 
welche keineswegs erst mit dem Christentum begann. Die Kriege der Antike wurden 
IC) Vgl. z. B. Plutarch, Marcellus 19; weiters O. Neurath, a. a. O. 
S. 9& 
1^) Polybius, X, 2. 
18) Dionys von Halikarnass, VI, 95; vgl. J. Be loch, Der italische 
Bund, S. 216 ff. 
18) Eine große Zahl der einschlägigen Stellen bei A. Langen, Die 
Heeresverpf 1 egung im letzten Jahrhundert der Republik. Der III. Abschnitt 
handelt über Beute und Donativa. Progr. d. kgl. Gymn. zu Brieg 1881—1882. 
Besonders Livius ist eingehend berücksichtigt. 
Eine tabellarische Zusammenstellung der Beutefälle, die sehr empfehlens 
wert iwäre, könnte insbesondere an die Triumphe anknüpfen. Bei Berück 
sichtigung der Heeresgrößen, der Bemerkungen bei den einzelnen Autoren, ob die 
Beute klein oder groß war, könnten wohl brauchbare Resultate erzielt werden 
20) L i V i u s , X, 17. 
21) Vgl. Appian, Bürgerkriege. I, 8.
	        
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