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Was tritt nun an die Stelle des Reingewinns in einer sozialisierten Wirtschaft?
Die größere oder geringere Wirtschaftlichkeit eines Systems von Maßnahmen
kann nur durch den Vergleich der Gesamtpläne festgestellt
werden. Die Naturalrechnungszentrale hätte etwa einen Wirtschaftsplan
unter der Annahme zu entwerfen, daß ein Elektrizitätswerk gebaut und
die Landwirtschaft in gewisser Weise verbessert wird, und einen zweiten unter
der Annahme, daß ein Kanal gegraben und ein Hüttenwerk errichtet wird.
Nun hat die Wirtschaftsleitung, vor allem die Volksvertretung, zu entscheiden,
ob sie die eine Gestaltung der Lebenslagen oder die andere vorzieht, die bessere
Versorgung mit Elektrizität und Lebensmitteln nebst anderen Wirkungen, oder
die bessere Versorgung infolge Ausgestaltung des Imports und vermehrter
Eisenerzeugung. Keine Einzelheiten irgendwelcher Art können
dieser Entscheidung zugrunde gelegt werden, weder Geldeinheiten
noch Arbeitsstunden. Es muß unmittelbar die Erfreulichkeit
der beiden Möglichkeiten beurteilt werden. Vielen erscheint es unmöglich,
so zu verfahren, und doch ist man es nur nicht auf diesem Gebiet
gewöhnt. Denn der Entscheidung, ob neue Schulen oder Krankenhäuser errichtet
werden sollen, hat man auch bisher nicht Unterrichts- oder Krankheitseinheiten
zugrunde gelegt, sondern unmittelbar die Gesamtheit der Veränderungen,
welche durch Schulen, und jene, welche durch Krankenhäuser bewirkt
werden, wenn auch nur in großen Umrissen einander gegenübergestellt.
Oder entschiW ein Feldherr auf Grund irgendwelcher „Kriegseinheiten“, wohin
er seine Kanonen, seine Trains, seine Soldaten dirigieren solle? Entschied er
auf Grund irgendwelcher „Schießeinheiten“, welche Mengen an Granaten, Minen,
Kleinmunition usw. er aut bestimmte Punkte schleudern solle? Wir werden
eben Erzeugung und Verbrauch, die Verteilung von Wohnung, Nahrung, Kleidung,
Bildung, Arbeit und Mühsal usw. in ähnlicher Weise durch unmittelbare
Betrachtung der verschiedenen Möglichkeiten zu bestimmen haben. Wer davor
zurückschreckt, möge seine Hände von der Sozialisierung lassen. Es ist kindlich,
zu glauben, man könne eine der gewaltigsten Umgestaltungen aller Zeiten
durchführen helfen, ohne mit der Überlieferung in entscheidenden Punkten
zu brechen.
Ebenso, wie wir den Wirtschaftsplan als Ersatz für einen „Wirtschaftlichkeitsanzeiger“
einführen, müssen wir auch einen „Anreizersatz“
schaffen. An die Stelle des Reingewinns muß die Prämie für erhöhte
Leistung treten. Daß es nicht leicht fällt, die Leistung leitender Persönlichkeiten
entsprechend zu beurteilen und zu belohnen, unterliegt keinem
Zweifel. Die ausschlaggebenden Menschen wirken auch im allgemeinen nicht
ausschließlich um solchen Erfolges willen, wohl aber ein großer Teil der
Betriebsleiter. Es muß die Methodik der modernen Betriebslehre auch auf
diese Gebiete zur Anwendung kommen. Was die Rationalisierung der Arbeit
innerhalb eines Einzelbetriebes leistet, das wird sie eben auch innerhalb des
Riesenbetriebes „Volkswirtschaft“ zu leisten haben. Technisch
im einzelnen beurteilbare Erfolge werden entsprechend belohnt werden. Der
Leiter eines Betriebes innerhalb einer sozialisierten Wirtschaft würde aber
nicht nur Prämien dafür bekommen, daß er viel erzeugt und die Rohstoffe
sparsam verwendet, sondern auch dafür, daß er Arbeitsverhältnisse verbessert,
die Krankheitsziffer der Arbeiter herabdrückt usw.
Diese Gestaltungsform fügt sich der Sozialisierung aufs beste ein, welche
vor allem auch als Technisierung aufzufassen ist. Techniker, Ärzte und
Volkswirte werden in gemeinsamer Arbeit durch unmittelbare Verwendung
aller Errungenschaften der Technik, der Medizin und der gesellschaftlichen
Organisation das Glück aller zu fördern haben. Wenn einmal die freie yerkehrswirtschaft
gebrochen und die sozialisierte Wirtschaft an ihre Stelle
getreten ist, dann bedeutet die Durchführung des Taylorsystems, die allgemeine
Einführung der wissenschaftlichen Betriebsführung, nicht mehr, wie
bisher, Bedrückung der Arbeiterschaft, nicht möglicherweise Massenentlassungen
und Aussaugung der besten Kräfte. Die Arbeiterschaft selbst wird ja diese
Dinge in die Hand nehmen und dann jede Neuerung begrü^n, welche ihr
Dasein verbessert ; wir können uns z. B. denken, daß die Einführung des