Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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selbständigen  Unternehmer  entlohnt,  welche  nunmehr  als  Beauftragte  der  Gesamtheit ­
  vergehen,  ist  eine  Frage  für  sich.  Wichtig  ist,  daß  eine  übersichtliche
Gesamtorganisation  geschaffen  wird,  aus  deren  dichtmaschigem  Netz  nur  wenig
Produkte  entschlüpfen  können.  Das  Schicksal  der  bäuerlichen  Betriebe  steht
dabei  ebenfalls  an  zweiter  Stelle.  Sozialisiert  muß  von  oben  werden.
Was  mit  dem  Einzelnen  zu  geschehen  hat,  ergibt  sich  aus  der  Anlage  des
Ganzen,  ein  Gedanke,  der  nicht  oft  genug  hervorgehoben  werden  kann,  soll
nicht  die  ganze  Sozialisierungsbewegung  zu  einer  Kleinarbeit  werden,  die  unter
Umständen  eine  Reihe  scheinbarer  Lokalerfolge  erzielt,  im  ganzen  aber  die
Wirtschaft  lähmt  und  hemmt.  Was  an  organisierenden  Kräften  in  den  Dienst
der  Sozialisierungsidee  gestellt  werden  kami,  sollte  herangezogen  werden.  Die
Verstaatlichung  durch  Bureaukratisierung  setzt  weit  mehr  Vorarbeiten  voraus;  sie
kann  nur  dort  rasch  erfolgen,  wo  es  sich  um  einfache  und  klare  Verhältnisse
handelt  und  der  überlieferte  Beamtenapparat  der  Aufgabe  gewachsen  ist,  was
unter  .Umständen  von  Bergbau-,  Wasserkraft-  und  ähnlichen  Betrieben  gilt.
Auf  anderen  Gebieten  könnte  sich  der  Staat  zunächst  mit  der  Leitung  der  Verbände ­
  usw.  begnügen,  solange  seinen  Plänen  kein  Widerstand  geleistet  wird.
Auch  dies  ist  Sozialisierung,  sie  schlägt  nur  einen  anderen  Weg  ein  als  die
sofortige  Verstaatlichung.
Ähnliche  Interessengegensätze  wie  zwischen  Industrie  und  Landwirtschaft
bestehen  zwischen  Produzenten  und  Importeuren.  Wenn  der  Import
einer  Ware  rein  geldwirtschaftlich  gerechnet  8  Millionen  Mark  Gewinn  bringt,
wenn  durch  die  hierbei  eintretende  Preissenkung  die  Produktion  einen  Mindergewinn ­
  von  4  Millionen  Mark  aufweist,  so  werden  die  Produzenten  alles  tun,
um  diesen  Import  zu  verhindern.  Wären  dagegen  Produzenten  und  Importeure
in  einem  Verband  vereinigt,  so  würden  sie  sogar  im  Rahmen  der  überlieferten
Ordnung  so  lange  importieren,  als  der  Importgewinn  den  Produktionsverlust
wettmacht.
In  jeder  großen  Importorganisation  liegt  heute  ein  naturalwirtschaftlicher  Zug,
da  der  zwischenstaatliche  Kompensationsverkehr  eine  täglich
wachsende  Rolle  spielt.  Wenn  auch  die  Geldverrechnung  beim  Kompensationsverkehr ­
  fortbesteht,  so  ist  doch  das  Geld,  welches  die  Vertragscliließenden  erhalten, ­
  für  sie  nicht  Anweisung  auf  beliebige  Warenarten,  sondern  nur  auf  jene,
deren  Ausfuhr  der  andere  Vertragschließende  gestattet.  Die  Kaufbreite
des  Geldes  ist  nicht  mehr  unbeschränkt.  Daß  bei  den  Kompensationsverträgen
Menge  und  Art  der  Waren,  nicht  Geldsummen  im  Vordergrund  stehen,  zeigen
uns  alle  Abmachungen  und  Verhandlungen  der  letzten  Zeit.
Der  Kompensationsverkehr  erzwingt  heute  eine  weitgehende  Organisation
der  Aus-  und  Einfuhr.  Er  legt  aber  damit  auch  eine  Organisation  der  inländischen ­
  Vorratshaltung  nahe.  In  Lagerhäusern  nTüssen  die  exportreifen
Waren  ebenso  wie  die  eben  importierten  eingelagert  werden.  Die  Übersichtlichkeit ­
  des  gesamten  Warenverkehrs  wächst  dadurch  bedeutend,  was  durchaus
im  Interesse  einer  planmäßigen  Verwaltungswirtschaft  und  damit  auch  der
Sozialisierung  gelegen  wäre.  Eine  Großvorratswirtschaft  wurde
voraussichtlich  auch  für  die  zwischenstaatliche  Zahlungspolitik  und  für  die
Notenbankpolitik  von  Bedeutung  werden,  wenn  auch  Verknüpfungen  dieser
Art  nur  mit  besonderer  Vorsicht  gemacht  werden  dürfen,  jedenfalls  nur  im
Rahmen  umfassender  Maßnahmen,  nicht  etwa  für  sich  allein.
Wo  wir  hinblicken,  sehen  wir  heute  ein  Vordringen  naturalwirtschaftlicher ­
  Tendenzen.  Der  Tauschhandel  in  kleinem  Stil  ist  ja  jedermann
zum  Überdruß  bekannt.  Aber  auch  in  größerem  Umfang  ist  der  Austausch
von  Naturalien  vorgekommen.  Einzelne  Regierungspräsidenten  haben  während
des  Krieges  die  Abgabe  von  Zucker  usw.  an  die  bäuerliche  Bevölkerung  mit
Erfolg  von  der  Lebensmittelablieferung  abhängig  gemacht.  Wie  weit  die  Zerrüttung ­
  unseres  Geldwesens,  wie  weit  die  Rationierungen  die  Naturalwirochatt
förderten,  soll  hier  nicht  weiter  erörtert  werden.  Wohl  aber  sei  wenigstens
ganz  flüchtig  darauf  hingewiesen,  daß  mit  der  Einführung  von  Na  t  u  r  a  1  -
steuern  und  ähnlicher  Einrichtungen  ernstlich  gerechnet  werden  ^uß.
Das  Geld-  und  Kreditwesen  ist  derart  gefährdet,  daß  rnöghcherweise  der  Staat
nur  dann  über  die  erforderlichen  sachlichen  Mittel  verfügen  kann,  wenn  er  sie
            
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