Full text : Die Theorie der Volkswirtschaft

170

ihrerseits  auf  die  Verdrängung  der  Bauern  aus  ihrem  Besitz  zurückzuführen ­
  ist.  Die  Entstehung  des  Kustargewerbes  durch  die
Bedürfnisse  der  höheren  Form  des  Gewerbes  zu  erklären,  ist  eine
reine  Tautologie.  Denn  es  gilt  doch  eben  die  Entstehung  dieser
höheren  Form  des  Gewerbes  (des  Kustargewerbes)  zu  erklären.
Die  Reorganisation  der  Produktion  und  der  gesellschaftlichen
Beziehungen,  die  durch  die  Verwandlung  des  Handwerks  in  ein
Kustargewerbe  her  vor  gerufen  wurde,  wurde  von  Marx  übersehen,
weil  ihm  noch  kein  Material  zur  Verfügung  stand,  das  diese  Evolution ­
  beleuchten  konnte.  Die  Manufaktur,  die  Marx  als  die  erste
Form  der  kapitalistischen  Produktionsweise  betrachtet,  erweist  sich
als  eine  neue  Organisationsform,  die  erst  auf  ein  entwickeltes  Kustargewerbe ­
  folgte.  Der  Kapitalist  brauchte  nur  die  von  ihm  beschäftigten ­
  Hausarbeiter  in  einer  Werkstatt  zu  vereinigen.  Die
Arbeitsteilung,  die  die  Manufaktur  aufweist,  bestand,  allerdings
in  geringem  Maße,  auch  in  der  Hausindustrie  und  im  Handwerk.
Die  Manufaktur  ist  also  bloß  die  Vollendung  des  schon  längst
begonnenen  Prozesses  der  Kapitalisierung  der  Produktion.
Wie  die  Produktion,  so  wird  auch  der  Konsum  durch  die
Entwicklung  des  Kustargewerbes  geändert.  Solange  der  Handwerker ­
  auf  Bestellung  oder  für  den  lokalen  Markt  arbeitete,  fand
nur  eine  einfache  Reproduktion  statt.  Der  Handwerker  konsumierte ­
  soviel,  wie  er  produziert  hatte.  Eine  Akkumulation  ging
entweder  überhaupt  nicht  oder  nur  sehr  langsam  vor  sich.  Die
Ausdehnung  der  Produktion  war  ein  Resultat  nicht  sowohl  der
Akkumulation  als  der  Zunahme  der  Handwerkerzahl.
Die  Entwicklung  des  Kustargewerbes  gibt  der  Kapitalakkumulation ­
  einen  bedeutenden  Anstoß.  Der  Kustar  verbraucht
schon  nicht  mehr  den  ganzen  Ertrag  seiner  Arbeit;  ein  Teil  davon
fällt  dem  Kapitalisten  zu.  Der  Zwischenhändler  verbraucht
ebenfalls  nicht  alles,  was  er  von  den  Kustari  erhält,  sondern  verwandelt ­
  einen  Teil  in  Kapital.
Technisch  wurde  der  Übergang  zur  Fabrik  (Maschinenproduktion) ­
  durch  die  detaillierte  Arbeitsteilung  in  den  Manufakturen ­
  vorbereitet,  die  die  Arbeit  jedes  einzelnen  Arbeiters  sehr
vereinfacht  hat;  die  sozialen  Vorbedingungen  dafür  ent-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.