auf die Stimmen der Partei streitig machen konnte. Wir mußten in
die Fußstapfen Amerikas treten. Die Urheber der amerikanischen Ver
fassung legten auf die Nominierung viel Gewicht. Sie waren es, die
der großen amerikanischen Freiheitscharte die Wählerversammlungen
Neu-Englands einverleibten. So ist die Vorversammlung der einge
schriebenen Wähler, die ihren Parteikandidaten proklamieren, in das
politische Leben eingeführt worden. Sie hat gute Dienste geleistet, was
aber aufhörte, als die Bevölkerung an Größe gewaltig zugenommen und
sich in ihr eine Qualitätsmischung vollzogen hatte. Die Vorversamm
lung kam unter die Herrschaft politischer Kampfhähne. Da die demo
kratische Masse nicht mehr in der Lage war, selbst die Ernennung zu
bestimmen, mußte sie zusehen, wie sich die Mietlinge der Parteien der
Vorversammlung bemächtigten. Das Nominierungsorgan war vorhan
den, aber nicht die Möglichkeit, sich seiner zu bedienen. Die Dinge hatten
sich verändert. Was einst die Freiheit sicherte, war ein Werkzeug der
Sklaverei geworden. Der „Caucus“ ist herangewachsen, weil es nötig
war, aus der Masse der Wahlberechtigten Personen zu ernennen, die
sich mit der Nominierung der Kandidaten zu befassen hatten. So ist
der „Caucus“ als die aktive Intelligenz der Partei entstanden. Sobald
die Wählerschaft zu einer Masse anschwillt, ist sein Dasein ein Be
dürfnis. Ist die Masse schlaff und gleichgültig, so wird er zu mächtig;
umgekehrt wird er gebeugt und eingeschüchtert, wenn sie von eigenen
Ideen und Zielen aufgewühlt wird. Doch stets muß der „Caucus“ ge
bildet werden, wenn eine Partei machtvoll wird und sich weithin er
streckt. Bei uns ist diese Einrichtung so schnell herangereift, daß die
uieisten Kandidaten, die bei den Wahlen von 1880 in den städtischen
Wahlkreisen, und einige, die in den Grafschaften um das Mandat ran
gen, von dem „Caucus“ nominiert wurden. Tatsächlich waren alle jene,
die sich 1885 um die Vakanzen bewarben, in dem Sinne regulär, als
sie die Feldzeichen des „Caucus“ trugen und jeden anderen „Verräter“
nennen konnten 1 .
In seinem Buche: Government of England, II., pp. 77 nnd ff., unternimmt es
Herr Lowell, das Wachstum des Parteiwesens in unserem parlamentarischen Leben
zu schätzen, indem er die Abstimmungen, die in einer Serie von Jahren im Unter
hause stattgefunden haben, klassifiziert. In Prozenten ausgedrückt, gibt er über
die streng parteiischen und die parteilosen Abstimmungen folgende Aufstellung:
1836
1850
1860
1871
1881
1894
1899
22.65
I5-89
6.22
35-16
46-73
76.03
68.95
2 5-97
33-96
5°- I 9
18.75
9-05
4-13
2.28
Parteigemäß
Parteilos