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gen Zwecken verwendet, ihn als ein Lasttier betrachtet, das keine
bürgerlichen Rechte hat, ihn beim ersten Auftauchen sofort nieder
schießt und ihn unterdrückt.
Die Rückwirkung eines Reiches unterworfener Völker auf die Demo
kratie ist deshalb eine große, bedeutungsvolle Angelegenheit. Wenn
die herrschende Nation mit Wohlwollen und durch erzieherische Mittel
den Eingeborenen helfen will — die bei ihr üblichen Methoden sind
nicht notwendigerweise einzuführen, aber sie muß sich von dem Geiste
menschlicher Rücksicht und gesetzlicher Rechtlichkeit, der der Atem
ihres eigenen politischen Lebens ist, leiten lassen—-, so braucht sie sich
selbst durch Ernennung von Prokonsulen, Gouverneuren und einesVer-
waltungspersonals für die Einheimischen noch nicht Gewalt anzutun.
Ist jedoch die wirtschaftliche Ausbeutung das Hauptmotiv, inspiriert
sie die Politik der Behörden der Weißen hinsichtlich des Landbesitzes
und der Freiheiten und Rechte, die die Eingeborenen genießen, wie es
der Fall ist im Kongo-Freistaat und mehr oder minder in jedem unter
jochten Gebiete der zivilisierten Staaten, so muß die souveräne Demo
kratie selbst befleckt werden. In ihrem eigenen Blute erscheint zuletzt
eine Infusion vergifteter Materien. Jene, die für diese Ausbeutung ver
antwortlich sind und sich zu den politischen Ansichten der Ausbeutung
bekennen, und alle, die solche Politik entschuldigen und verteidigen,
werden zu Krebsgeschwüren im Herzen des demokratischen Staates.
Die demokratische Persönlichkeit verliert den inneren Halt, wie die
Individualität einer Person, die an Lähmung leidet; der demokratische
Wille wird von schleichendem Gifte angefressen. Die Empfänglichkeiten
und Gefühle, auf denen zu Hause die Freiheiten beruhen, zerfallen.
Nun möchte ich klar und deutlich betonen, daß meine Auffassung
nicht ist, daß sich die weißen Rassen in der Kolonialpolitik notwendig
die Einführung einer demokratischen Verfassung, wie wir sie ver
stehen, bei den Eingeborenen zum Ziele setzen müssen. Die Demo
kratie dieser nördlichen Länder ist wahrscheinlich mit dem Boden und
der Rasse verwachsen. Mit ihr nordwärts und südwärts zu ziehen, sie
nach dem Osten und dem Westen zu verpflanzen, als wäre sie das
unvermeidliche Ende aller Staatsverfassungen, heißt aus ihr einen
Fetisch machen. Die Demokratie ist nur eine der Formen — für uns
vielleicht die einzig mögliche Form —, in der uns die von der öffent
lichen Meinung gebildete Regierung erscheint. Wir können die Ver