XVIII
Freiheiten, werden von einigen Sektionen unserer sozialistischen Be
wegung stets beargwöhnt. Es könnten nämlich nur Kniffe und Schli
che der Schlauen sein, die Aufmerksamkeit der Einfältigen zu fesseln.
Nun zeugt dieses Mißtrauen zwar von nicht wenigem Scharfsinn. Doch
wenn es unvernünftig genährt wird, so verwandelt es sich selbst in
eine gefährliche Irreführung. Der Sozialist kann dann in der Scylla
zugrunde gehen, während er der Vernichtung durch die Charybdis
zu entrinnen sucht.
Bis zu einem gewissen Grade muß dieser Argwohn gegen politische
Reformen dem erlöschenden Liebesfeuer für die politische Freiheit
zugeschrieben werden. Die Demokratie, so wie die Radikalen sie
verstanden, übte auf den politischen Geist eine erfrischende Wirkung
aus und wappnete ihn gegen Sykophantentum und Knechtseligkeit,
feite ihn gegen korrupte Einflüsse und bewahrte ihn davor, sein Erst
lingsrecht für ein Linsengericht, ja manchmal sogar für Hülsen, die
kein Schwein anrühren würde, zu verkaufen. Der Radikalismus der
Arbeiterklasse in den sechziger Jahren mag keine „ökonomische
Basis" gehabt haben, aber er war vom Salz der Erde. Wir mögen über
die Rhapsodien, die als Litaneien in den Tempeln der Freiheit ge
sungen wurden, lachen, doch sie waren die Mittel, durch die sich der
Geist des Menschen die Kraft und die Entschlossenheit aneignete,
die Ketten abzustreifen. Und als diese Rhapsodien am herausfor
derndsten erklangen, gab es Herrscher und Behörden, die nicht im
stande waren, die Sätze zu analysieren, in denen die Litaneien abge
faßt waren, und über das traurige Ergebnis zu lachen. Ein Volk,
das die Lobpreisungen zu Ehren der politischen Freiheit mit einem
Gähnen begrüßt, streckt seine Handgelenke schon den Fesseln der
Knechtschaft entgegen.
Die praktischen Konsequenzen dieser Mißachtung der politischen
Freiheit und Unabhängigkeit machen sich unmittelbar bemerkbar.
Sie bekunden sich in der Herabsetzung der demokratischen Institu
tionen in der öffentlichen Wertschätzung. Eine wirkungsvolle parla
mentarische Regierung kann nur aufrechterhalten werden, wenn das
Volk die parlamentarischen Einrichtungen respektiert, wenn es „kon
stitutionelle Moral“ hat, wie Mill es nannte. Das Schwinden des par
lamentarischen Einflusses betrachte ich deshalb als ein Zeichen des
demokratischen Verfalls, aber nicht als einen Beweis für eine über