Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Haselwurz

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Hausenblase

280°  wird  ein  bräunlichgrünes  dickeres  Öl  (fixes
Öl  oder  Patentöl)  hergestellt,  das,  mit  Schmierseife ­
  gemischt,  als  Patentwagenf  ett,  englische
Wagenschmiere  sowie  unter  der  unzutreffenden ­
  Bezeichnung  Paraffinfett  in  den  Handel
kommt.
Haselwurz  (lat.  Rhizoma  asari,  frz.  Racine
d’asari,  engl.  Cabaric  root),  eine  nicht  unwichtige ­
  Ware  des  Drogenhandels,  stammt  von
Asarum  europaeum  (Nierenkraut,  Hasenkraut), ­
  einer  in  Bergwäldern  unter  Gebüsch,
besonders  Haselsträuchern,  wachsenden  Pflanze
mit  niedrigen  Stengeln,  glockigen,  braunroten
Blütenkelchen  und  langgestielten  nierenförmigen ­
  Blättern.  Der  dünne,  kriechende,  graubraune ­
  Wurzelstöck  ist  hin  und  her  gebogen,
knotig  gegliedert,  längsrunzelig  und  mit  Faserwurzeln ­
  besetzt.  Er  hat  einen  eigentümlichen
kampferartigen  Geruch,  schmeckt  beim  Kauen
brennend  pfefferartig  und  bewirkt  im  frischen
Zustande  Erbrechen.  H.  enthält  neben  ätherischem ­
  Öl  einen  kampferähnlichen  Stoff,  das
Asaron,  und  wird  in  Pulverform  als  Schnupfenmittel ­
  sowie  in  der  Tierheilkunde  verwandt.
Hauhechelwurzel  (Haudornwurzel,  Harnkrautwurzel, ­
  lat.  Radix  ononidis,  frz.  Racine
de  bugrane,  engl.  Restharrow  root),  die  mehrere
Fuß  lange  und  fingerdicke,  holzigzähe  Wurzel
der  dornigen  Hauhechel,  Ohonis  spinosa,
eines  niedrigen,  an  Wegrändern  und  sonst  auf
unbebauten  Flächen  häufig  wachsenden  Strauches ­
  mit  blaßroten  Schmetterlingsblüten,  kommt
in  Form  ästiger,  außen  dunkelbrauner,  auf  dem
Querschnitt  weißlichstrahliger  Stücke,  die  meist
der  Länge  nach  gespalten  sind,  in  den  Handel.
Der  Geschmack  ist  süßlich  bitterlich,  beim  Kauen
zusammenziehend  und  etwas  brennend.  H.  enthält ­
  als  charakteristische  Bestandteile  die  Glykoside ­
  Ononin,  Ononidin  und  das  wachsartige ­
  Onozerin  und  wird  als  harntreibendes
Mittel  sowie  als  Zusatz  zu  Blutreinigungstees
verwandt.
Hausenblase  (Fischleim,  lat.  Colla  piscium,
Ichthyocolla,  frz.  Colle  de  poisson,  engl.  Isingla'ss)
  besteht  aus  der  getrockneten  inneren
Haut  der  Schwimmblase  verschiedener  großer
Fischarten  vom  Geschlecht  der  Störe  und  Hausen, ­
  besonders  des  eigentlichen  Störs,  Acipenser
  sturio,  und  des  Hausens,  A.  huso
sowie  einiger  kleiner  Verwandter,  des  Osseter,
A.  Güldenstaedtii,  desSterlet,  A.ruthcnus,
und  des  Sewruga  (Scherg).  Es  sind  also
meist  dieselben  Tiere,  die  im  Handel  auch  den
Kaviar  liefern  und  in  dem  Aufsatz  Stör  näher
besprochen  worden  sind.  Die  meiste  H.  kommt
aus  Rußland  über  Petersburg.  Außer  dieser
russischen  „echten“  Ware  erscheint  aber  noch
manche  andere  aus  den  verschiedensten  Weltgegenden, ­
  besonders  amerikanische  von  der
Hudsonsbai,  brasilianische  und  ostindische,  die
bisweilen  auch  wohl  der  echten  in  betrügerischer ­
  Absicht  beigemischt  wird.  An  den  Küsten
Norddeutschlands,  Englands  und  Nordamerikas
verarbeitet  man  hauptsächlich  den  Kabeljau,  daneben ­
  noch  Lachse,  Welse  und  Seehechte.  Die
nicht  russischen  Sorten  sind  alle  von  geringerer
Güte,  meist  dunkler,  gelblich  bis  bräunlich  gefärbt ­
  und  mit  widrigem  Fischgeruch  und  -geschmack
  behaftet  und  hinterlassen  beim  Kochen

mit  Wasser  weit  mehr  unlöslichen  Rückstand
als  die  echte.  Die  russische  H.  unterscheide 1
man  in:  Astrachaner,  uralische  und  sibirische. ­
  Die  beste  Ware  besteht  aus  harten,
schwer  zu  biegenden  Blättern  mit  runzliger
Oberfläche,  die  bei  auffallendem  Lichte  mit
prachtvoll  blauer  Farbe  schillert,  während  die
geringeren  Sorten  dieses  Irisieren  wenig  oder
gar  nicht  zeigen.  Die  gangbarsten  Marken  der
russischen  H.  sind:  Saliansky,  Beluga  und
Samovy  oder  Samova,  nächst  diesen  Assetowa
  und  Prernislowoi.  Ihre  Zubereitung  erfolgt ­
  in  höchst  einfacher  Weise,  Die  frischen
oder,  wenn  getrocknet,  in  Wasser  wieder  aufgequellten
  Blasen  werden  der  Länge  nach  aufgeschnitten,
  durch  sorgfältiges  Waschen  gereinigt ­
  und  von  der  äußeren  unbrauchbaren
Muskelhaut  befreit.  Die  innere  weiße  Haut,  in
eine  der  gangbaren  Formen  gebracht  (gebrakt),
  wird  dann  vollends  getrocknet.  Früher
gab  es  im  Handel  auch  unaufgeschnittene,  nur
äußerlich  gereinigte  Blasen  sowie  solche,  di®
geöffnet  und  zu  einem  Kuchen  zusammengeklappt ­
  waren.  Diese  Stücke  mußten  aber  vor
dem  ;  Gebrauch  erst  lange  gewässert,  geklopft
und  auseinandergelegt  resp.  gereinigt  werden-Dasselbe
  gilt  von  der  in  Fadenform  geschnittenen, ­
  oder  in  Ringel-  oder  Lyraform  (Ringelhausenblase)
  aufgerollten  und  gebogenen
VVare,  die  noch  hin  und  wieder  vorkommt.  Zur
Herstellung  der  Blätter  werden  die  noch  feuchten ­
  gereinigten  Stücke  stark  ausgereckt,  mit
Nägeln  über  Bretter  gespannt  und  so  in  der
Sonne  fertig  getrocknet,  während  man  die
dünnen  Fäden  durch  Zerschneiden  der  Blätter
auf  Maschinen  mit  stählernen  Schneidescheiben
erhält.  Neuerdings  wird  oft  die  rohe  H.  nach
Petersburg  geschafft  und  dort  erst  gebrakt  und
mit  schwefliger  Säure  gebleicht,  wodurch  sie
aber  an  Wert  verliert.  Besser  ist  die  an  der
Wolga  übliche  Schneebleiche,  bei  der  man  die
Blasen  der  im  Winter  unter  dem  Eise  gefangenen ­
  Tiere  bis  zu  der  Verarbeitung  im  Schnee
eingräbt.  Die  Beluga,  also  die  eigentliche
große,  dicke  und  rauhe  Blätter  von  wenige!
reiner  Farbe,  ist  die  billigere  Sorte,  aber  in
allen  Fällen,  in  denen  nicht  auf  schönes  Äußere
gesehen  wird,  sehr  gut  brauchbar.  Sterletblase
  ist  nicht  größer  als  ein  Handteller.  Samowy,
  eine  in  dünnen  weißen  Blättern  in  de»
Handel  kommende  Ware,  die  den  übrigen  Sorten
an  Güte  sehr  nachsteht,  stammt  vom  Wels-Die
  H.  ist  in  kaltem  Wasser  nicht  löslich,  sondern ­
  quillt  nur  stark  darin  auf.  Beim  Erhitze 0
löst  sie  sich  aber  in  Wasser  wie  auch  in  verdünntem ­
  Spi  Lus,  unter  Hinterlassung  geringer
Mengten  faseriger  Reste  zu  einer  klebrigen
Flüssigkeit,  die  nach  dem  Abkühlen  schon  be>
einem  Gehalte  von  4  0/0  zu  einer  Gallerte  g 6 "
steht.  Hierauf  beruht  ihre  Vielseitige  Verwendung ­
  in  der  Küche  und  Konditorei  zur  Herstellung ­
  von  Gelees  und  Süßspeisen.  Als  Klebstoff
dient  sie  in  Form  von  Mundleim  und  durchsichtigen ­
  farbigen  Oblaten,  auf  Taft  gestrichen
als  H.-Pflaster,  sog.  englisches  Pflaster,
ferner  zu  Kitten,  besonders  in  weingeistiger  Lösung ­
  und  mit  Harzen  verbunden,  als  sog.  Diarnantkitt,
  als  Bindemittel  für  Farben  und  bei
Anfertigung  der  künstlichen  Perlen  aus  Gla s

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