Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Weihrauch 
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Wein 
zur Bereitung des Salizins verwandt. Die an 
Salizin armen W., S. fragilis, S. alba und 
pentandra, haben eine gelblichweiße Innen 
fläche und werden durch Befeuchten mit kon 
zentrierter Schwefelsäure auf der Innenfläche 
oder auf dem Querschnitte gar nicht oder nur 
in kaum merklichem Grade rot gefärbt. Die W. 
wird in Form bandartiger, zu Bündeln zusam 
mengebundener Streifen in den Handel ge 
bracht und, ähnlich der Chinarinde, auch zu 
Bädern benutzt. Während des Krieges hat man 
im Hinblick auf die hohe, etwa 60001 betra 
gende deutsche Erzeugung versucht, die W. 
bzw. den Bast zur Fasergewinnung heran 
zuziehen, und anscheinend günstige Erfolge er 
zielt. Nach einem patentierten Verfahren der 
Filzkorkwerke in Krasna in Mähren wird die 
Rinde zur Entfernung des Tannins mit alkali 
scher Seifenlösung unter Druck gekocht und 
darauf zur mechanischen Absonderung der 
Faser durch ein Walzensystem geschickt. 
Weihrauch (lat. Olibanum, frz. Oliban ou En- 
cens, engl. Gum olibanum). Dieses aromatische 
Gummiharz stammt von verschiedenen Bäu 
men oder baumartigen Sträuchern aus der Fa 
milie der Burserazeen, besonders von Bos- 
wellia serrata, B. floribunda, B. papyri- 
fera u. a. und kommt von der Somaliküste 
über das Rote Meer und Ägypten oder aus Ost 
indien über Bombay in den Handel. Ostindien 
selbst erzeugt jedoch keinen W. Man unter 
scheidet, wie in allen solchen Fällen, eine Vor 
zugssorte in einzelnen Körnern oder Tränen, 
und eine geringere, dunklere, mehr verklebte 
und mit fremden Körpern verunreinigte zweite 
Sorte. Die Körner sind durchscheinend, weiß 
bestäubt, gelblich, rötlich oder bräunlich gefärbt 
und leicht zerdrückbar und geben beim Kauen 
und Verreiben mit Wasser eine milchige Flüssig 
keit. Beim Erhitzen bläht sich der W. unter 
Entwicklung weißer, scharf balsamischer Dämpfe 
auf und verbrennt mit leuchtender, rußender 
Flamme. Er enthält 5—90/0 eines aus Pinen, 
Dipenten und Phellandren bestehenden 
ätherischen Öls, ferner 62—690/0 Harz mit Bos- 
welliasäure, 26—280/0 Olibanoresen und 
Gummi. Eine Unterschiebung von sog. wildem 
W. (Fichtenharz), der unter dem Namen Wald 
weihrauch, Waldrauch (Olibanum silvestre) 
namentlich von Tirol und Steiermark aus in den 
Handel kommt, erkennt man daran, daß die 
Essigsäurelösung mit Schwefelsäure rot wird. 
W. dient als Zusatz zu Räuchermitteln, nament 
lich für kathoüsche Kirchen, und als Bestand 
teil von Räucherkerzchen und Räucherpulvern, 
sowie zur Bereitung von Pflastern und Salben 
und in weingeistiger Lösung zu Einreibungen. 
Wein ist das am längsten der Menschheit be 
kannte berauschende Genußmittel, welches durch 
alkoholische Gärung aus dem Safte der Wein 
traube dargestellt wird. Der Weinstock oder 
die Weinrebe (lat. Vitis vinifera, frz. Cep ou 
Vigne, engl. Vine) wird bereits seit den älte 
sten Zeiten angebaut, so daß seine eigentliche 
Heimat nicht genau bekannt ist. Während man 
sie früher in den Kaukasus verlegte, wird neuer 
dings angenommen, daß alle in den verschie 
denen Ländern- gezogenen Sorten von einheimi 
schen wüden Reben abstammen. Sicher ist die 
beste rheinische Sorte, der Riesling, durch Ver 
edelung aus einer noch jetzt am Oberrhein vor 
kommenden wilden Rebe entstanden. Manche 
Reben lassen sich selbst auf mäßige Entfernun 
gen nicht verpflanzen, während andererseits die 
aus Spanien und Südfrankreich eingeführten 
Gutedel und Muskateller bei uns gut fortkom- 
men. Auch ist die Verpflanzung portugiesischer 
Reben nach den Kanarischen und Azorischen 
Inseln und nach dem Kaplande gelungen. Die 
in Kalifornien gezogene Rebe ist hingegen eine 
veredelte Spielart der dort heimischen Vitis 
Labrusca. — Die Fortpflanzung der Weinrebe 
erfolgt durch Ableger oder Stecklinge, die Ver 
edelung durch Pfropfen oder Reisern. Der Wein 
stock gedeiht nur in den gemäßigten Zonen, 
nicht unter den Tropen, bedarf jedoch einer 
mittleren Jahrestemperatur von —{— 1 r ,9 0 C, idie 
sich aus einem Wintermittel von-j-0,6 und einem 
Sommermittel von-f-22,5 °C zusammensetzt. Da 
das sonst müde englische Klima diese Bedin 
gungen nicht erfüllt, ist der W. dort nur eine 
Glashauspflanze. Für die Güte des erzielten 
Traubensaftes sind neben den klimatischen Ver 
hältnissen, besonders der Regenverteilung, vor 
allem die Bodenbeschaffenheit und Bearbeitung, 
sowie die Düngung ausschlaggebend. In erster 
Linie ist ein gewisser Gehalt an Phosphorsäure 
und Kalium erforderlich, die nötigenfalls in 
Form von Stallmist oder künstlichem Dünger 
zugeführt werden müssen. — Von den zahl 
reichen Krankheiten des Weinstocks können hier 
nur kurz die folgenden angeführt werden: Der 
Mehltau, durch den Pilz Oidium Tuckeri, 
und die Blattfallkrankheit (falscher Mehl 
tau), durch den Pilz Peronospora viticola 
hervorgerufen; der schwarze Brenner, durch 
den Pilz Gloeosporium ampelophagum, 
und der rote Brenner, durch den Pilz Pseu- 
dopeziza trocheiphila verursacht. Als Gegen 
mittel wendet man Bestäuben mit Schwefel 
oder Bespritzen mit Kupferkalkbrühe, beim 
schwarzen Brenner auch Eisenvitriol an: Tie 
rische Schädünge sind die Reblaus, Phyl- 
loxera vastatrix, deren Larve die Wurzel 
enden abnagt, der Sauerwurm, die Raupe 
desSchmetterlingsTortrix uvana, und der 
Springwurm, die Raupe von Tortrix Pel 
le ri an a. Gegen Reblaus hilft nur Ausroden der 
Wurzeln und Desinfektion des Bodens mit Pe 
troleum oder Schwefelkohlenstoff. — Sobald 
die Beeren im Herbste reif sind, mitunter auch 
erst, wenn sie den Zustand der Edelfäule an 
genommen haben, erfolgt die Weinlese und die 
Gewinnung des Mostes, die für Weiß- und Rot 
weine in verschiedener Weise ausgeführt wird. 
Da alle Beeren, auch die roten und blauen, mit 
Ausnahme der Färbertraube, Tinto oder Pon- 
tak, einen farblosen Saft enthalten, so erzielt 
man durch einfaches Auspressen (Keltern) auch 
farblosen Most und Weißwein. Zur Darstellung 
von Rotwein muß man hingegen die zerdrück 
ten blauen und röten Beeren erst nach be 
endeter Hauptgärung auspressen, weil dann der 
Farbstoff aus den Hülsen gelöst wird. Der un- 
vergorene Most, der vielfach direkt genossen 
wird, enthält ungefähr 70—8o»/o Wasser, 16 bis 
240/0 Zucker (Glykose und Fruktose), 0,9—1 °l° 
Säure (Weinsäure und Äpfelsäure), 0,2—0,5 °/°
	        
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