Full text: Graf Georg Kankrin in nationalökonomischer und finanzwirtschaftlicher Beziehung

— 68 — 
wollten. Dieser Versuch aber müsse — »wie sogleich dem 
praktischen Menschenverstand einleuchtend« 1 ) — als ganz 
mißlungen bezeichnet werden. Denn wenn dieser i m p 6 t 
u n i q u e vom Landmann erhoben werden sollte, so ent 
stünde die wohlberechtigte Frage: »woher sollte diese wenig 
kapitalistische Klasse von Staatsbürgern die Barschaft zum 
Vorschuß nehmen?« Es würde zugleich »die ungeheure, 
auf einem Punkt fühlbare Abgabe schon an sich unendlich 
größeren Einfluß auf die Preise haben und fortdauernd aus 
üben, als dieselbe Abgabe durch mancherlei Umwege erhoben, 
weil dort die Tendenz zur Preiserhöhung durch nichts bei 
nahe balanciert würde — und die beunruhigenden Sorgen 
des Landmanns auf die Preise noch besonders wirken 
müßten«. 2 ) Es sei dehalb vollständig richtig, daß die Ver 
braucher mit mehr Abgaben als die Erzeuger belegt werden. 
»Der schicklichste Einschaltungsplatz der Steuer« findet sich 
»gewöhnlich im kleinen bei dem Marktverkauf, im großen 
bei dem Handelskapital, wo es nie am Vorschuß fehlen kann 
und welches seiner Natur nach zum Vorschuß bestimmt 
ist«. 3 ) Aber auch diese Abgabenquellen dürften nicht aus 
schließlich benutzt werden, woraus für Kankrin der Satz 
folgt, »daß Orundabgaben und sogenannte indirekte in einer 
schicklichen Mischung immer zu einem Finanzsystem not 
wendig gehören«. 8 ) Und »das beste Abgabensystem für 
jeden Staat« entstehe »nur durch eine nach den Umständen 
weise gewählte Mannigfaltigkeit an sich mäßiger Abgaben«. 4 ) 
Nur müsse das Extreme sowohl der Zentralisierung als auch 
der Pluralisierung der Abgaben vermieden werden. 
Welche Anforderungen können nun an solch ein ge 
mischtes, gutes Abgabensystem gestellt werden? Zuerst 
dürfen die Abgaben »nur das reine Einkommen, keineswegs 
das Kapital treffen«; sie sollen dann mäßig sein und 
möglichst im Verhältnis auf allen gleich lasten. 5 ) Weiter: 
ß Weltr. 147. — 2 ) Weltr. 146. — 3 ) Weltr. 147. - 4 ) Weltr. 159. 
») Ök. 220.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.