Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

Körting  &  Mathiesen,  Leutzsch  bei  Leipzig.

202’

den  allgemeinen  Zweck,  an  Beamte  und  Arbeiter  der  Firma  in  Notfällen  irgendwelcher
Art  Unterstützungen  nach  Maßgabe  der  Mittel  der  Kasse  zu  gewähren,  sei  es  als  zinslose
Darlehen,  sei  es  als  nicht  rückzahlbare  Spenden.  Durch  regelmäßige  Zuführungen  von  der
Firma  wurde  die  Kasse  im  Laufe  der  Zeit  so  gestärkt,  daß  die  Leistungen  mehrfach  erweitert ­
  werden  konnten.  Heute  beläuft  sich  das  Vermögen  der  Kasse  auf  rund  ioo  ooo  M.
Die  gegenwärtigen  Leistungen  sind  folgende:  i.  Bei  Todesfällen  die  Gewährung
von  Sterbegeldern  an  die  Beamten  und  Arbeiter  der  Firma  bzw.  deren  Angehörige.
Voraussetzung  ist,  daß  die  Person,  durch  welche  die  Unterstützungsberechtigung  begründet
wird,  mindestens  ein  Jahr  ununterbrochen  im  Dienste  der  Firma  steht  und  zur  Gewährung
des  Unterhaltes  gesetzlich  verpflichtet  ist,  sei  es  als  Ehegatte  oder  Familienvater  oder  sonstwie. ­
  Das  Sterbegeld  bewegt  sich  je  nach  Art  des  Falles  zwischen  150  und  75  M.
2.  In  Krankheitsfällen  die  Gewährung  von  Krankengeldern  an  die  Beamten
und  Arbeiter  der  Firma,  an  erstere  aber  nur,  soweit  deren  Gehalt  nicht  eine  gewisse  Höchstgrenze ­
  übersteigt.  Voraussetzung  ist  dreijährige  Dienstzeit.  Das  Krankengeld  wird  gezahlt ­
  auf  die  Höchstdauer  von  26  Wochen  und  beträgt  nach  der  Höhe  des  Gehaltes  bzw.
Lohnes  abgestuft  3—6  M.  pro  Woche.
3.  In  Notfällen  irgendwelcher  Art  die  Gewährung  von  zinslosen  Darlehen  oder
nicht  rückzahlbaren  Unterstützungen ­
  an  Arbeiter. ­
  Die  Wartefrist  beträgt ­
  ein  Jahr.
Die  Gesamtleistung
der  Kasse  beziffert  sich
auf  nahezu  4000  M.  pro
Jahr.
Das  Vermögen  der
Kasse  wird  von  der  Firma
verwaltet  und  ist  mündelsicher ­
  angelegt.  Die
eingehenden  Gesuche  werden  einer  fünfköpfigen  Kommission  zur  Erledigung  überwiesen,
in  welche  die  Firma  ein  Mitglied  delegiert,  ein  Mitglied  wird  aus  der  Beamtenschaft,  drei
Mitglieder  von  der  Arbeiterschaft  in  dieselbe  gewählt.  Soviel  über  die  Unterstützungskasse.
Eine  weitere  Einrichtung  datiert  aus  neuerer  Zeit,  nämlich  die  Schaffung  des
FONDS  FÜR  WOHLFAHRTSZWECKE.  Die  größte  Wohlfahrtseinrichtung  der
Firma  ist  der  sogenannte  „Fonds  für  Wohlfahrtszwecke“.  Letzterer  war  schon  vor  einer
längeren  Reihe  von  Jahren  ins  Leben  gerufen  worden  mit  dem  allgemeinen  Zwecke,  aus
dessen  Mitteln  eine  großzügige,  wirklich  nutzbringende  Wohlfahrtseinrichtung  für  das
gesamte  Personal  zu  schaffen.  Im  Jahre  1909  war  der  Fonds  durch  regelmäßige  Zuführungen ­
  von  der  Firma  bereits  so  stark  geworden,  daß  man  daran  denken  konnte,  der  oben  angedeuteten ­
  Idee  eine  konkrete  Gestalt  zu  geben.  Das  Vermögen  des  Fonds  betrug  damals
gegen  350  000  M.,  heute  über  550  000  M.  Es  wurden  die  verschiedenartigsten  Projekte
erwogen,  man  dachte  unter  anderem  an  die  Erbauung  von  Beamten-  und  Arbeiterwohnhäusern, ­
  an  die  Gründung  einer  Pensionskasse,  an  die  Gründung  einer  Zuschußkasse  zur
reichsrechtlichen  Kranken-  und  Unfallversicherung,  an  die  Gründung  einer  Kasse,  aus
welcher  Beamten  und  Arbeitern  die  Mittel  zur  Erholung  in  Sommerfrischen  gewährt  werden
sollten,  endlich  an  die  Gründung  einer  Kasse  mit  dem  gleichen  Zwecke  in  Verbindung  mit
einem  eigenen  Heim,  in  dem  die  Beamten  und  Arbeiter  freie  Aufnahme  und  Verpflegung
haben  würden.  Schließlich  entschied  man  sich  für  das  letztere  Projekt  und  so  entstand
aus  den  Mitteln  des  Fonds  für  Wohlfahrtszwecke  das
FERIENHEIM  LÜCKENDORF  in  Lückendorf  bei  Oybin.  Dieses  Ferienheim  hat
den  Zweck,  den  Beamten,  Arbeitern  und  Arbeiterinnen  der  Firma,  ohne  daß  denselben

Ferienheim  Lückendorf  aus  der  Vogelschau.
            
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