Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  II.  Adam  Smith,

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erscheint  ihm  die  Landwirtschaft  als  ein  rechtes  Stiefkind.  In
seiner  Steuertheorie  führt  er  weiter  aus,  wie  ein  Teil  der  auf  dem
Gewinn  und  dem  Lohn  liegenden  Steuern  zum  Schluß  auf  die  Grundbesitzer ­
  zurückfällt.  Wenn  er  endlich  von  den  Einfuhrzöllen  auf
Getreide  spricht,  —  diese  Zölle,  die  die  Entrüstung  eines  Ricaedo
gegen  die  „landlords“  aufstachelten,  —  läßt  Smith  seiner  ganzen
Voreingenommenheit  freien  Lauf.  Er  geht  in  seiner  Nachgiebigkeit
soweit,  daß  er  den  Satz  aufstellt,  nicht  nur  in  ihrem  persönlichen
Interesse,  sondern  hauptächlich  nur  in  einer  schlecht  verstandenen
Nachahmung  der  Fabrikanten  und  Händler  hätten  „der  Landadel
und  die  Pächter  Großbritanniens  so  sehr  den  ihrem  Stande  natürlichen
Edelmut  vergessen,  daß  sie  um  das  ausschließliche  Vorrecht  nachsuchten, ­
  ihre  Landsleute  mit  Getreide  und  Fleisch  zu  versorgen“  1 ).
Man  sieht  auch  ohne  weitere  Ausführungen  genügend  klar,  wie
stark  A.  Smith  auf  die  Seite  der  Landwirtschaft  und  der  landwirtschaftlichen ­
  Arbeiter  hinneigte;  daher  hat  Smith  auch  in  dieser
Hinsicht  wenigstens  einen  Teil  der  physiokratischen  Vorurteile  so
bereitwillig  übernommen.  Trotz  seiner  eigenen  Theorie  der  Arbeitsteilung ­
  hat  er  sich  nicht  entschließen  können,  die  Landwirtschaft
auf  den  Fuß  vollständiger  Gleichheit  mit  den  anderen  Formen  wirtschaftlicher ­
  Tätigkeit  zu  stellen.  Es  liegt  ihm  daran,  ihre  althergebrachte ­
  Vorzugstellung  aufrecht  zu  erhalten.
§  2.  Der  Naturalismus  und  Optimismus  Ä.  Smith’s.
Außer  der  Auffassung  der  ökonomischen  Welt  als  einer  großen
natürlichen  Gemeinschaft,  die  die  Arbeitsteilung  geschaffen  hat,  unterscheiden ­
  wir  in  dem  Werke  A.  Smith’s  zwei  andere  Grundgedanken,
nm  die  sich  seine  Theorien  gruppieren  lassen:
*  1.  die  Idee  der  Spontaneität  der  wirtschaftlichen  Einrichtungen,  und
2.  die  Idee  des  wohltätigen  Charakters  dieser  Einrichtungen,
was  man  den  „Naturalismus“  und  den  „Optimismus“  A.  Smith’s  nennen
kann.  ■**
Obgleich  diese  beiden  Gedanken  im  Geiste  A.  Smith’s  bis  zur
:  Verschmelzung  zusammen  lebten,  so  müssen  sie  doch  von  dem  Geschichtsschreiber ­
  der  ökonomischen  Lehren  sorgfältig  auseinander  gehalten ­
  werden.
Lie  Spontaneität  der  wirtschaftlichen  Einrichtungen  und  ihr
wohltätiger  Charakter  standen  bei  A.  Smith  in  enger  Wechselbeziehung. ­
  Im  18.  Jahrhundert  hielt  man  gern  alles  für  gut,  was
natürlich  und  ursprünglich  war.  Natürlich,  gerecht,  vorteilhaft  sind
)  Völkerreichtum  II,  S.  21,  B.  IV,  Kap.  II.
            
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