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Erstes Buch. Die Begründer.
zweifellos folgendes erwidert haben: Dieser virtuellen Vermehrungskraft
der zur menschlichen Nahrung dienenden Arten sind faktisch
sehr enge Grenzen gezogen: Beschränkung der bewohnbaren Zone,
Beschränkung der der betreffenden Art unentbehrlichen Nahrungsmittel,
Kampf ums Dasein usw. Zugegeben! Wenn man aber diese
Hindernisse in der zweiten Reihe gelten läßt, warum nicht auch in
der ersten? Hier liegt sicherlich eine gewisse Inkonsequenz. Eins
von beiden kann nur gelten: entweder handelt es sich darum, Tendenzen
festzulegen, und in diesem Fall ist das Vermehrungsbestreben
der Lebensmittel dem der Menschen nicht nur gleich,
sondern ihm bedeutend überlegen; — oder es handelt sich darum, Tatsachen
festzulegen, und in diesem Falle sind die Hindernisse, die
einer unbeschränkten Vermehrung des Menschen im Wege stehen,
nicht geringer als die, die eine unbeschränkte Vermehrung der Tiere
und Pflanzen zu überwinden hat; oder besser ausgedrückt; die Glieder
beider Gleichungen unterstehen derselben Einwirkung.
Um die Bedeutung der zweiten Formel zu finden, muß man
sie aus dem Bereiche der Biologie in das der Ökonomik übertragen.
Es handelt sich selbstverständlich in den Gedanken Malthus’ um den
Ertrag eines bestimmten Stück Landes, etwa an Getreide, da die
englischen Nationalökonomen niemals etwas anderes im Sinne haben.
Er will sagen, daß, wenn von einem Stück Land eine gleichmäßige
Ertragssteigerung von etwa 2 hl am Ende jeder gegebenen Periode,
alle 25 Jahre, erzielt wird, das alles ist, was man erhoffen kann.
Diese Hypothese scheint noch über die Wirklichkeit hinauszugehen.
Lavoisiek schätzte 1789 den Getreideertrag in Frankreich auf 7.75 hl
auf den Hektar. In den letzten Jahren erreichte er im Mittel ein
wenig mehr als 17 hl. In der Annahme, daß die Steigerung in den
120 Jahren der Zwischenzeit regelmäßig gewesen ist, erhalten wir
einen Mehrertrag von 2 hl für jede Periode von 25 Jahren. Das
hat angesichts des schwachen Wachstums der französischen Bevölkerung
genügt, um die Durchschnittsmenge pro Kopf von 2 auf
3 hl zu bringen. Würde sie aber für eine so schnell anwachsende
Bevölkerung, wie die Englands oder Deutschlands genügt haben?
Sicherlich nicht, da diese beiden Länder, trotz eines höheren Ertrages,
gezwungen sind, vom Ausland einen großen Teil des Brotkornes,
von dem sie leben, einzuführen. Kann wenigstens in Frankreich
diese Steigerung endlos während dieses und der folgenden Jahrhunderte
fortgesetzt werden? Das ist sehr unwahrscheinlich; die
Ertragsfähigkeit eines jeden Bodens muß eine physische Grenze
haben, die durch die Menge der in ihm enthaltenen Bestandteile
bestimmt wird, — und noch viel eher muß eine wirtschaftliche
Grenze erreicht werden. Diese Grenze ergibt sich aus den wachsenden