Kapitel III. Die Agsozialisteu.
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kann sie jedoch erklären: wenn beide sich auch durch ihren Plan
der sozialen Reorganisation nahe stehen, der auf der Schaffung
selbständiger Genossenschaften beruht, einer Art von Mikrokosmen,
die dazu bestimmt waren, der zukünftigen Gesellschaft als Muster oder
vielmehr als Ferment zu dienen; und wenn auch das nach ihrem Tode
entstandene Genossenschaftswesen auf ihren gemeinsamen Einfluß
zurückzuführen ist, so lebten sie doch in ganz verschiedenen Welten.
Ohne hier weitere Parallelen zwischen ihnen zu ziehen, muß man
doch erwähnen, daß Owen ein reicher Industrieller war, einer der
bedeutendsten und einflußreichsten Männer seiner Zeit und seines
Landes, während Fourier nur ein kleiner Handelsangestellter und,
wie er sich selbst nennt, ein „sergent de boutique“ war, der später
ein kleiner Rentier wurde, dessen Ruf kaum über die Grenzen eines
kleinen Freundeskreises hinauswuchs. Trotz allem aber, was man
glauben könnte, w r ar der Millionär der größere Sozialist, ein Kom
munist, ein Kämpfer, ein Pamphletist, ein Agitator, antiklerikal in
der ganzen Bedeutung, die man heute dem Worte gibt, während sein
bescheidener Rivale ein alter Junggeselle mit den Gewohnheiten
einer alten Jungfer war, der sein Haus nur verließ, um der Militär
musik zuzuhören, ein geduldiger Schreiber, der sich zwang, jeden
Tag die gleiche Anzahl Seiten fertig zu stellen, und einen stillen
Teilhaber erwartete, der niemals kam.
Außer diesen beiden Hauptvertretern enthält der Assozialismus
uoch andere Namen. Wir werden von Louis Blanc und an zweiter
Stelle von Leroux und Gäbet zu sprechen haben.
I.
Robert Owen.
Unter allen Sozialisten erscheint Robert Owen als eine be
sonders originelle und sogar einzigartige Persönlichkeit. M o kann
man einen anderen finden, der wie er ein großer Fabrikherr, ein
«businessman“, einer der Industriekönige seiner Zeit gewesen ist?
Und doch war der Sozialismus Owen’s nicht nur die Philanthropie
bus guten Arbeitgebers. Freilich war er durchaus kein revolu
tionärer Sozialist: er w'eigerte sich, an der chartistischen Bewegung
teilzunehmen, die uns heute recht harmlos erscheinen w'ürde J ). Er
’) Obgleich der Chartismus eine Arbeiterbewegung war, die von der W orking
™ en ’s Association geleitet wurde (1836—1839), so waren doch die Forderungen
der berühmten Charter ausschließlich politisch. Die Hauptforderung war das all
gemeine Wahlrecht.