Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  III.  Der  Marxismus.

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nach  ihm  es  getan  haben.  Und  dies  ist  so  wahr,  daß  hierin  heute
die  einzige  Zuflucht  liegt,  die  den  noch  im  Starrsinn  verharrenden
Marxisten  offen  bleibt,  um  diejenigen  Theorien  des  Meisters  verteidigen
zu  können,  die  unhaltbar  erscheinen,  wie  z.  B.  die  des  Arbeitswertes.
Sie  sagen,  daß  Marx  eine  Gesellschaft  angenommen  habe  (hier  haben
wir  das:  „Angenommen,  daß  ...  Eicaedo’s!),  in  der  die  Arbeit  überall
gleichartig  sei,  usw. 1 ).
Der  Marxismus  ist  daher  ein  auf  den  klassischen  Baum  gepfropfter
Zweig,  und  so  sehr  sich  auch  der  Baum  über  die  eigentümlichen
Früchte,  die  man  ihn  zu  tragen  zwingt,  erstaunt  und  entrüstet,  so  ist
er  es  doch  gewesen,  der  sie  mit  seinem  Saft  genährt  hat.  Daher  hat
man  schreiben  können,  daß  das  Kapital  „nicht  das  erste  Buch  des
kritischen  Kommunismus,  sondern  das  letzte  große  Buch  der  bürgerlichen ­
  Volkswirtschaft  sei“  2 ).
Nicht  nur  setzt  der  Marxismus  die  Wissenschaft  der  Ökonomik
fort,  die  er  hochachtet,  —  wenn  er  die  Volkswirtschaftler  heftig  angreift, ­
  so  tut  er  dies  nur,  um  ihnen  zu  beweisen,  daß  sie  sie  nicht
verstanden  haben  —,  sondern,  was  überraschender  ist,  er  setzt  den
Kapitalismus  fort,  den  er  ebenfalls  hochschätzt 3 ).  Die  Marxisten

*)  Vgl.  z.  B.  was  Georges  Sorel  in  der  Heyne  Internationale  de
Sociologie,  1900  (Les  polemiques  pour  l’interpretation  du  marxisme,
S.  248)  schreibt:  „Bei  Marx  gibt  es  keine  eigentliche  Werttheorie  in  dem  Sinne,
den  man  gewöhnlich  mit  diesem  Ausdruck  verbindet,  sondern  eine  Theorie  des
wirtschaftlichen  Gleichgewichts,  die  auf  den  Fall  einer  bis  ins  äußerste
vereinfachten  Gesellschaft  zurückgeführt  ist.  Man  unterstellt,  daß
«die  Industrien  gleichwertig  sind,  und  daß  die  Arbeiter  einen  gleichförmigen  Typus
bilden;  die  Leistung  einer  Arbeitsstunde  einer  Gruppe  von  10  Arbeitern  wird  überall ­
  dasselbe  erzeugen;  sie  wird,  ganz  gleich  in  welchem  Zweige  der  Beschäftigung,
die  gleiche  intensive  Größe  einer  gewissen  Menge  leisten,  die  das  vorstellt,  was  das
Vergleichungsmoment  der  Waren  ausmacht;  den  Wert  ...  So  erhält  man  ein
Bild,  das  keinen  anderen  Nutzen  zu  haben  scheint,  als  die  Möglichkeit,  nachzuweisen, ­
  durch  wohldurchdachte  künstliche  Konstruktionen  die  Theorie
des  Zeitwertes  mit  dem  Marktpreis  in  Übereinstimmung  zu  bringen.“
2 )  Labriola,  Conception  materialiste,  S.  91.  Und  G.  Sohel  sagt;  „In
Wirklichkeit  steht  der  Marxismus  der  sogenannten  manchesterlichen  Volkswirtschaft
viel  näher,  als  dem  Utopismus.  Dieser  Punkt  hat  seine  große  Bedeutung“  (La
decomposition  du  marxisme,  S.  44).
3 )  „Die  Holle  der  Bourgeoisie  iu  der  Geschichte  ist  ganz  außerordentlich
revolutionär  gewesen  .  .  .  Gerade  der  Bestand  der  Bourgeoisie  bedingt  eine  beständige
Umformung  der  Produktionsmittel,  und  daher  der  Produktionsbedingungen,  und  infolgedessen ­
  auch  der  gesamten  sozialen  Bedingungen  .  .  .  Zerbrochen  sind  die  bis
dahin  unveränderlichen  sozialen  Bande,  die  Bande,  die  bis  dahin  mit  dem  ganzen
Anhang  ihrer  alten  und  ehrwürdigen  Gedanken  und  Vorstellungen  wie  zusammengerostet ­
  waren.  Alles  das,  was  den  Kastengeist  und  das  feste  Gefüge  verstellt,
geht  in  Hauch  auf,  alles,  was  als  heilig  gegolten  hatte,  wird  profaniert“  (Kommu-“istisches
  Manifest,  S.  11).
Übrigens  arbeitet,  nach  der  Meinung  der  Marxisten,  der  Kapitalismus  eifrig
            
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