Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Fünftes  Buch.  Die  Lehren  der  neuesten  Zeit.

worden  sind,  —  womit  sich  dann  die  Schlußfolgerung  aufdrängt,  daß
die  Eente  unter  allen  ihren  Formen  nicht  eine  Anomalie,  sondern
eine  durchaus  normale  Folge  der  allgemeinen  Wertgesetze  ist.  Überall
dort,  wo  aus  irgendeinem  Grunde  dwPi'oiti  ein»»  Produkt»  einen
Seltenheitswert  erlangt  und  die  Produktionskosten  übersteigt  (diese
Gründe  können  zahlreich  sein),  ergibt  sich  für  den  Verkäufer  dieses
Produktes  eine  Eente.  Dies  ist  die  allgemeine  Formel,  zu  der  man
auf  diese  Weise  geführt  wird,  eine  Formel,  die  von  dem  Gesetz  des
sinkenden  Ertrages  oder  der  ungleichmäßigen  Fruchtbarkeit  der  Felder
durchaus  unabhängig  ist 1 ).
Zu  dieser  Folgerung  ist  man  jedoch  nicht  so  ohne  weiteres  gelangt. ­
  Die  englische  Volkswirtschaftslehre,  die  ganz  von  den  Ideen
Eicakdo’s  durchtränkt  ist,  hängt  auch  heute  noch  an  der  Auffassung
der  Differentialrente.  Die  festländischen  Volkswirtschaftler  haben  im
Gegenteil  in  der  Eente  sehr  bald  eine  einfache  Anwendung  des
Gesetzes  von  Angebot  und  Nachfrage  erkannt.  Schon  J.-B.  Say  erklärte. ­
  die  Grundrente  durch  „die  Ausdehnung  der  Bedürfnisse  der
Gesellschaft  und  den  Preis,  den  sie  imstande  ist,  für  das  Getreide
zu  zahlen *  2  3  *  *  * ).  Mit  viel  größerer  Genauigkeit  legte  ein  deutscher  Volkswirtschaftler, ­
  Hermann,  Professsor  in  München,  in  seinen  selbständigen
und  scharfsinnigen  Staats  wir  tschaftlichen  Untersuchungen,
die  1832  veröffentlicht  wurden,  die  Bodenrente  als  einen  einfachen
Sonderfall  der  Eente  fixer  Kapitalien  dar.  Während  die  umlaufenden
Kapitalien,  so  erklärte  er,  infolge  der  Leichtigkeit  ihrer  Übertragung
fast  stets  das  gleiche  Einkommensniveau  haben,  können  die  fixen
Kapitalien  weder  so  schnell  an  anderer  Stelle  angelegt,  noch  auch
so  schnell  vermehrt  werden.  Daraus  ergibt  sich  sehr  oft  für  sie
ein  Einkommen,  das  höher  ist,  als  das  der  umlaufenden  Kapitalien:
eine  Eente.  Und  anstatt  vorübergehend  zu  sein,  kann  ihnen  diese
Eente  dauernd  verbleiben,  wenn  die  neuen  fixen  Kapitalien,  die  mit
den  ersten  in  Konkurrenz  treten,  nicht  die  gleiche  Produktivität
haben.  Dies  tritt  nun  gerade  für  Felder  ein 8 ).  —  Etwas  später
definierte  ein  anderer  Deutscher,  Mangoldt,  die  Eente  als  eine
„Seltenheitsprämie“,  von  der  „nicht  alle  Bestandteile  der  Produktion,

■)  Die  Theorie  des  wirtschaftlichen  Gleichgewichts  gestattet  noch  besser,  die
Allgemeinheit  der  Tatsache  der  Bodenrente  hervortreten  zu  lassen.  Wir  verweisen
hierüber  auf  den  Cours  von  Paketo  und  das  Werk  von  Sehsi,  La  teoria  della
rendita,  ßom,  1912.
2 )  Vgl.  vorhergehende  Seite  Anm.  2.
3 )  Hekmann,  Staats  wissenschaftliche  Untersuchungen.  6.  Teil.
Vom  Gewinn.  Im  Vorwort  sagt  er  schon:  „Die  Lehre  von  der  Bodenrente  konnte
hier  nur  ein  Einzelfall  in  der  Darlegung  des  Gesetzes  sein,  dem  der  Gewinn  aus
einem  fest  angelegten  Kapital  im  allgemeinen  folgt“.
            
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