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Achtungen und Wollsortierereien angegliedert, und ihr Verfahren der
Haarlockerung richtet sich in allererster Linie nach der Beschaffenheit
der Wolle. In Bezirken größerer Weiß- und Glacelederindustrie finden
sich aus eben diesem Grunde eigene Wollwäschereien und Wollkarbonifierungsanstalten
zur Entfernung der in der Wolle sitzenden Verunreinigungen,
vegetabilischen Abfallstoffen, wie Stroh, Gras, Holzfäserchen,
Kletten usw. Desgleichen ist der Sitz von Wollhändlern im
Zusammenhange dieser Jndustrieen verständlich.
Die von den Fellen und Häuten abfallenden Haare stellen ein im
Vergleich zur Wolle viel geringwertigeres Produkt dar, welches deshalb
auch den Jndustrieen keine Veranlassung zu so eingehender Berücksichtigung
bietet, wie dies bei der Wolle der Fall ist.
Ähnlich wie der Wollverkauf war der Verkauf von Hörnern und
Klauen in der zünftlerischen Gewerbeverfassung geregelt 1 ). Die Hauptabnehmer
der Hörner waren die Kammacher. Neuerdings wird die
Trennung der Haut von Horn und Klauen schon in den Schlächtereien
vollzogen, und daher stehen die großen Hörnerauktionen von Havanna-Hörnern,
Mexiko-Hörnern, Buenos-Aires-Hörnern, Rio-Grande-Hörnern,
Liebig-Hörnern, ungarischen Ochsenhörnern, Schafhörnern, Rindsklauen,
spanischen Hörnern, um nur einige wichtige zu nennen, welche meist in
den Hauptimportplätzen stattfinden, ziemlich außer Zusammenhang mit
der Gerberei.
Das wichtigste Abfallprodukl der Weißgerberei neben der Wolle
bilden die rohen Hautabfälle. Hierher gehören die Abschabsel der
Weißgerber, die vom Fell abgestoßene Narbe hauptsächlich der Sämischgerberei
und endlich die beim Vergleichen an Kopf, Schwanz, und an
den Extremitäten abfallenden Hautteile.
Auf der Eigenschaft der Lederabfälle, sich beim Kochen zu Leim zu
versieden, beruht die Leimsiederei. Da Roßhäute, Schweinshäute,
Hasen- und Kaninchenhäute einen nur wenig konsistenten Leim liefern,
während Kalbfellköpfe, Falzleimleder und die Hautabfälle von Böcken,
Schafen, Ziegen als Leimgut hoch geschätzt sind^), so war früher die
Leimsiederei hauptsächlich an die Weißgerber und Pergamenter angegliedert.
Mit der Entwicklung größerer Betriebe einerseits, mit dem
steigenden Bedarf an Leim in den Holzgewerben, mit den verfeinerten
Bedürfnissen nach möglichst klarem Leim und Gelatine in den Konditoreien,
in der Appretur, für Hektographen usw., mit der Herstellung
von Leim auch aus Knochen andererseits hat sich die Leimsiederei zu
einer eigenen Industrie entwickelt, welche ihre Zusammengehörigkeit mit
') Vgl. Roth 1800, Bd. III, S. 116; Nopitsch 1801, S. 66; Mummenhoff
1901, S. 109. 2 ) Schuh und Leder 1903, Nr. 23, S. 25; 1904, Nr. 39, S. 37.